Beklemmend schön. Seidls 2. Teil seines Paradies-Triptychons. Tolle Kamera (lange Einstellungen, oft Zentralperspektive mit Symmetrischen Elementen), toller Sound/Ton, tolle Inszenzierung/Regie, toller Schnitt und vor allem eine überzeugende Darstellerin: Maria Hofstätter (Hundstage, Import Export, …) Sieben Jahre bereitete sich die ansonsten konfessionslose Schauspielerin auf diese Rolle vor, ging auf Fusswallfahrt, ging beten, missionieren, eine Woche ins Schweigekloster, und und und … bis zu Probegeiselungen mit SM-Geissel (bis diese dann Opus Dei-gerecht angefertigt wurde).
Meine Lieblingsszene ist die, in welcher Hofstätter auf den (gealterten) Busenfreund Rene Ruppnik trifft. Aber auch Nabil Saleh, der den muslimischen, gelähmten Ehemann spielt und Dieter und Trude Masur sind umwerfend.
An der Weltpremiere an den Filmfestspielen in Venedig wurde Seidl, Hofstätter, die Produzenten des Films und der Leiter des Festivals von ultrakonsevativen Katholiken wegen Blasphemie verklagt. Der Film bekam schlussendlich den Spezialpreis der Jury. Irgendwie hat Seidl hier sein Schaffen perfektioniert. Wirkt super im Kino. Kommt bei uns am 09.05.
Seidl auf Bonz: Spass ohne Grenzen
–> und hier noch der Link zum gutgeschriebenen Review der ZEIT mit Trailer: Im Darkroom des Katholizismus
Retro-Filme und -Serien sind ja derzeit in Mode. Lang ersehnt kommt bald der neueste Film vom oscarprämiertem Regisseur Baz Luhrmann (Moulin Rouge, Romeo + Julia) in die Kinos, The Great Gatsby, mit Leonardo DiCaprio und Toby Maguire in den Hauptrollen – ein 20er Jahre Kostümfilm, basierend auf den Bestseller von F. Scott Fitzgerald. Dekadenz und Geld in den goldenen 20er New Yorks: ein großes Thema, das auch heute bestimmt Anklang finden wird.
Hinzu kommt die 60er Jahre Serie vom Primetime-Sender CBS “Vegas”, die in Deutschland noch keinen offiziellen Starttermin hat. Auch diese Serie behandelt die glorreichen alten Zeiten des “Wilden Westens” der USA, der sich mit dem Gangstermob der Ostküste herumschlagen muss. Die Serie, die von Nicholas Pileggi (Goodfellas, Casino) geschrieben wurde, ist gerade in ihrer ersten Staffel und es bleibt abzuwarten, ob das Retro-Image für das Fernsehen gut genug ist.
Bei einem Film ist diese Rechnung jetzt schon eher nicht aufgegangen: Gangster Squad. Der “LA Noir” von Ruben Fleischer hat einige negative Rezensionen über sich ergehen lassen, obwohl das Casting bombastisch ist; selbst für Hollywood-Blockbuster-Verhältnisse. Sean Penn, Nick Nolte, Ryan Gosling, Josh Brolin und Emma Stone, nur um einige zu nennen, haben die Hauptrollen im Film ergattert und spielen – immerhin sind sich die Kritiker da einig – grandios im Film.
Allerdings kratzt Gangster Squad nur an der Oberfläche eines sehr potenten Genres. Wenn man an Filme wie LA Confidential oder den jüngsten Indie-Erfolg “Drive” denkt, mischen sich im besten Fall überskizzierte Szenen mit tiefgängiger, mysteriöser Atmosphäre, das alles im dreckigen und toughen Setting von Los Angeles. In Gangster Squad, so wird moniert, fehle allerdings der Tiefgang.
Der Gangsterboss Mickey Cohen (Sean Penn) verlegt seine Geschäfte von der Ostküste der USA an die Westküste. In Los Angeles übernimmt er die Macht über alles, was kriminell ist: egal ob Prostitution, Waffenschmuggel, Drogenhandel oder illegale Wetten in Hinterzimmer-Casinos. Weil er auch die Justiz geschmiert hat, scheint sein Status unangreifbar.
Der Polizeichef, gespielt von Nick Nolte, hat die Nase voll. Seine besten und loyalsten Polizisten werden zu einer “Gangster Squad”, einer Eliteeinheit, zusammengeführt. Ohne Marken und offiziellen Auftrag sollen sie ihrem Widersacher schaden. Jerry Wooters (Ryan Gosling) und John O’Mara überfallen die Geldwäscheläden von Mickey Cohen und kämpfen gegen die Gangster auf offener Straße. Persönlich wird es, als sich Wooters in die schöne Freundin von Cohen (Emma Stone) verliebt.
Obwohl die Storyline immer konsequent spannend und interessant ist, wird der Film von explosiver Gewalt dominiert. Die sadistischen Spiele von Cohen und der Splatter, den man sonst in Horrorfilmen erwarten würde, ergeben keinen Kontrast zur Story, sondern ganz im Gegenteil, liefern ein spektakulär gewalttätiges Bild, das nicht den LA Noir ausmacht sonder regelrecht übertüncht. In diesem Sinne ist Gangster Squad pures Entertainment, allerdings kein Stoff für die Art-House-Szene. Der Film läuft derzeit noch in den Kinos.
beide singen. Musik für den Feierabend (also, je nach Aufrufzeit, später). Dass diese gainsbourgsche “Rockoper” u. A. Air beeinflusst hat, ist offenohrig
unüberhörbar.
Immer mal wieder machen Klaus – „Ich bin kein Schauspieler“ (Dokumentarfilm)– Kinskis Wutausbrüche die Runde(n) (als Remix). Legendär ist unter Anderem dieses zornige TV-Interview.
Mitunter sind diese Zornestiraden aber nicht bloss Launenresultate, sondern durchaus begründet: Hier bringen christliche Aktivisten (unbestimmter Herkunft), die ‚heilige’ Grenze des Bühnenraums missachtend, den Jesus-Performer in Rage.
Nicht ganz ohne Zorn dürfte auch das Drunter und Drüber auf den unsichtbaren Bühnen/ hinter den Kulissen im Innern der Institution des „offiziellen Kirchen-Jesus“ vonstatten gegangen sein. Vati leakt, was nicht nur manch frommer Mutti missfallen dürfte.
Obgleich das gewaltige Schiff nach dem revolutionären Rückzug des Stellvertreters ins Frührentnertum nicht führerlos dahin segelt, scheint das Bedürnis nach einem obersten Offizier, das Vertrauen auf die Steuerungsfähigkeit des Allerobersten, Jenseitigen, zu überwiegen. Die Weisung, was der Laie tun soll, gibt uns der Spiegel (online):
„Katholiken in aller Welt sind während der Sedisvakanz aufgerufen, für eine rasche, einmütige und segensreiche Wahl des neuen Papstes zu beten.“
Da aber eine Sedisvakanz nach vorzeitigem Papstrücktritt übermittlungsgemäss derart lange dauern kann, dass zwischenzeitlich aus Ungeduld und zwecks Erholung Gebetspausen eingelegt werden müssen, sei an dieser Stelle für unterhaltungsbedürftige Katholiken, aber auch für alle Anderen, auf die Bühnenpredigt in voller Länge verwiesen, Störungen inklusive:
Kein Kommentar meinerseits zu den Oscars 2013. Die Plakate wurden bereits andererseits verschandelt und deshalb hier einfach nur der Link zu den Interviews von Zach Galifianakis zwischen den Farnen: Teil 1 (mit Jennifer Lawrence, Anne Hathaway, Christoph Waltz, Naomi Watts & Amy Adams) und Teil 2 (mit Bradley Cooper, Jessica Chastain, Sally Field und einem D.D. Lewis).
Vreni Schneider sei Dank: Des Schweizers Schweiz lässt sich nun wieder verorten! Derweil rast der/das Pistenspektakel-Event im österreichischen Schladming seinem Ende entgegen. Flower-Zeremonien entledigen sich der Gänsefüsschen, und sollte sich zum Abschluss ein Firework ereignen, würde dies nicht weiter überraschen. Verlauf/Ablauf nach Plan, vorformulierte Langeweile. Man kann es mit den Monitorkommentatoren (das Vor-Ort-sein ist hier kein Vorteil) halten und braucht wie diese es beim zigfach (in Zeitl(u/oo)pe) wiederholten Sturz der flügellosen Starathletin hielten gar nicht länger hinzuschauen, „Um Gotteswillen.“ Absprung, Absturz und Crash statt „Vorsprung durch Technik.“ Der scheinbar verbreiteten makabren ‚Freude’ an U(n/m)fällen im Spektakel zu verdanken ist die Wiederentdeckung eines ins Abseits geratenen Mediums. Hier feiert, wie unschwer zu erkennen ist, das Daumenkino als ‚Zeigefingerscrollkino’ sein (weil’s passt) Revival.
Einige Bemerkungen über den Wahnsinn (hier könnte ein abgründiger Link stehen) des Skizirkusmilieus lassen sich im Werk von Elfriede Jelinek finden (meines Wissens fehlt bis heute eine schweizerische Auseinandersetzung mit der Materie. Aber wer könnte den Schweizer Skiroman schreiben? Pedro Lenz?).
Zu bestaunen gibt es an dieser Stelle in voller Länge(weile) die ‘sporthistorische’ Hahnenkammabfahrt von 1981. Empfohlen als spätnächtliche/frühmorgendliche triviale Alternative zu Rauschklassikern wie etwa Spacenight, Swissview, Eisenbahnromantik, Linienflug
oder Kaminfeuer-TV
(Allerdings: um sich das groteske Spektakel in voller Länge anschauen zu können, bedarf es wohl vorgängig mehrerer Kafis am Pistenrand).
Für die Eiligen (Nüchternen), Spektakelfreudigen als ‘crash compilation’ zusammengefasst:
Vor dem Paradies war der Park. Zumindest, wenn man Ulrich Seidls Filmografie (als chronologische Reihenfolge) betrachtet. Wird der dritte Teil der Paradies-Trilogie Hoffnung derzeit an der Berlinale ‘gescreent’ – und am kommenden Aschermittwoch gar mit den Teilen Glaube und Liebeam Stück – als ganzes starkes Stück – gezeigt, so sei an dieser Stelle auf den ‘Archiv-stream’ des sehenswerten Parkfilms verwiesen (s.o.. Will heissen: klicke oben), in dem zumindest die Kulisse ‘real’ ist.
Wer sich näher mit der Parkthematik befassen möchte, dem sei
Bruce Bégouts Text Der ParK zur Lektüre empfohlen. Das faszinierende Konstrukt Park wird hier in fast all seinen dystopischen Dimensionen beschrieben. Mit Paradiesvorstellungen hat dies freilich nur mehr wenig zu tun. Allerdings: konstitutiv für Park und Paradies bleibt die Grenze. Der Titel “Spass ohne Grenzen” ist auf den ersten Blick also ein Schwindel. Doch lässt sich nicht auch der Konsumrausch, der sich einstellt, wenn man sich durch die Attrappenlandschaft bewegt (sei’s auf einer Achterbahn, sei’s auf einer Themenbahn oder gar zu Fuss) als
Schwindel bezeichnen?
Wer Musse (und Nerven für seidlsche Filme) hat, der schaue Der Busenfreund (1997):
Und wer hier nur für eine kurze Weile, spasseshalber, verweilt, der kucke sich den folgenden Schnipsel an (bürotauglich, allerdings ist Ton Pflicht!):
2009 wurde eine Dokumentation rund um den Film L’enfer (1964) mit Romy Schneider veröffentlicht. Der Film wurde damals nie fertiggestellt da es einige wundersame Unfälle wie eine Herzattacke des Regisseurs gab. Trotzdem blieben einige schöne Bider übrig…
Gab es im Amerikanischen Bürgerkrieg wirklich sogenannte Mandingo Kämpfe? Habe etwas gegoogelt und keine eindeutige Hinweise gefunden. Wahrscheinlich hat Tarantino einfach etwas vom alten Rom in den amerikanischen Bürgerkrieg hineingemixt. Darf er auch. Er sind seine Geschichten.
Gemäss Edna Greene Medford, Professorin für Amerikanische Geschichte Howard Universität gibt es keine Hinweise dass solche Kämpfe stattfanden.
Die Vorfreude auf den Film war gross. Ganz so gut wie Jackie Brown und Pulp Fiction ist der Film nicht geworden. Aber allemal sehenswert, insbesondere wenn man auf Exploitation Movies steht.
Hier ein paar Interviews: Tarantino, Foxx, Waltz, Jackson etc.