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Konzertbericht: Die Fantastischen Vier – Unplugged Setup

Die Fantastischen Vier am Zermatt Unplugged

Die Fantas spielten gestern am Zermatt Unplugged. Hier ein kurzer Konzertbericht aus erster Hand:

Fantastisch Unplugged

Der Andrang war gross. Verständlich, denn wir alle kennen Fanta 4 nicht bloss, wir sind mit ihnen aufgewachsen. Sie sind gut, und deshalb populär.

Smudo, Hausmeister Thomas D, Michi Beck und And.Ypsilon stürmten die Bühne gleich mit einem 20-köpfigen Orchester. Sie wurden unter tosendem Applaus empfangen und bereits beim zweiten Song “Danke” hielt es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen.

Seit über 20 Jahren mischen die sympathischen Deutschen im Musikgeschäft ganz oben mit. Sie können auf ein grosses Repertoire an Hits zurückgreifen. Am allerbesten sind sie aber live und Unplugged. Dank den schnelleren Rhythmen werden ihre Songs abwechslungsreicher und vielschichtiger.

Sympathisch waren auch die Ansagen zwischen den einzelnen Songs. Die Jungs wirkten entspannt, kommunizierten offen mit dem Publikum und plauderten aus dem Nähkästchen. Zum Song “Smudo” verwandelten sie das ganze Zelt umgehend in einen Gospelchor. Ein kollektives Halleluja hallte durch die nächtliche Bergwelt.

Den Song “Pipis und Popos” rappte Smudo das ganze Lied durch in der “Schlumpfversion” respektive mit Hochstimme. Dazu musste er mehrmals Luft aus einer mit Helium gefüllten Dose nehmen. Und dies auf 1600 Meter Höhe. Der gute Krieger war danach sichtlich angeschlagen und die Rapper brauchten eine Pause. Es folgte eine Soloeinlage von Thomas D.

Warum Zermatt so schön sei? Darüber sinnierte Smudo zwischen zwei Songs. Schon bei seinem letzten Besuch 2009 stellte er trocken fest: “Der Berg ist Massiv”. Diesmal ging er etwas mehr in die Tiefe und präsentierte folgende These: In Zermatt herrsche Sauerstoffmangel. Und Mangel an Sauerstoff mache glücklich, daher finden alle Zermatt so schön. Er habe sich auf Zermatt vorbereitet und sich dafür extra in eine Höhle zurückgezogen um zu trainieren.

Dies war natürlich eine Anspielung auf ihre aktuelle CD. Smudo meinte damit ihr zweites MTV Unplugged Album. Ein akustisches Album, aufgenommen in einer Höhle. Die Fantastischen Vier sind bisher die einzige Band überhaupt, die ein zweites MTV Unplugged Album aufnehmen durften.

Politisch bezogen die Fantas ebenfalls klar Stellung. Das ganze Orchester trat in Anti- Atomkraft-Overalls auf.

Auf intensiven Applaus und Standing Ovations folgte eine Zugabe. Ihr Hit “Populär” wurde zum kubanischen Salsa.

Vielen Dank liebe Fantas für den stimmungsvollen Abend. Wir bleiben euch Troy; 20 weitere Jahre. Mindestens.

Gipsy-Folk aus Barcelona, Tessin: 1,2,3,4, scheisse lalalalalei!


Gipsy Folk aus Barcelona Bellinzona: Die grandiose Live-Band: IN THE DEAD CAR. Am 8. September durfte ich eines der absolut besten Konzerte dieses Jahres erleben: In The Dead Car. Und zwar live. Also ehrlich gesagt – es war Liebe auf den ersten Ton, am disjährigen OpenAir Greifensee. Dort hörte ich, dass diese symphatischen Tessiner gleich bei mir um die Ecke nochmals einen Gig hinlegen, und zwar im La Catrina. Da fuhr ich umgehend hin. Eine Station mit dem 32er Bus um genauer zu sein. Eine weise Entscheidung: Mal tönt ihr Sound nach Tessiner Calzone, dann wieder nach Country. Aber meistens ist es lebendiger Gipsy-Folk aus der Rumpelkiste. Und was für eine Kiste: Voll von Energie und Leidenschaft die seinesgleichen sucht. Ehrlich gesagt, mal ein Konzert, wo der Schlagzeuger äh sorry, in diesem Falle die Schlagzeugerin, nicht pennt, sondern die Beats locker aus dem Handgelenk schüttelt. Und ein Handörgeli-Mann, wo die Alpöis vor Staunen die Pfeifen verschlucken. Einfach gesagt, “In The Dead Car” reduzieren die Voksmusik – von welchem Land auch immer – nicht ‘nur’ auf ihre Grundrechte, sondern sie verschaffen dem Konventionellen die Flügel des Jazzes. Sozusagen Blue Notes für den 4/4-Takt. Und dann schweifen sie aus; weit hinaus gen Osten. Irgendwann landen sie so ungefähr Richtung Polka. Dabei hat jede Note rsp. jeder Ton ein Gedächtnis, ja Hautfarbe. Einge bleiben aufgrund eines Kulturschockes in irgend einer Flöte stecken, andere kleben am Folk wie die Kommerzfeministin Madanna an Gogol Bordello. Und dann gibt es diese speziellen Momente. Die Momente, wo man Django Rheinhard begegnet. Und wer den Zugang zu Django Rheinhard gefunden hat, der weiss, dass Töne keine Hautfarbe haben. Dass wir ALLE Zigeuner sind. Bastarde. Flüchtlinge. Und dass gute Musik einfach verdammt gute Musik ist und bleibt und zeitlos ist und auch nicht irgendeiner Epoche zugeordnet werden kann. Es gibt keine Ordnung, es gibt nur das (zusammen) Leben.

Nach dem Konzert, im Taumel und kollektiven Tohuwabohu, spielte irgendjemand solange mit dem Megaphon rsp. der bandeigenen Polizeisirene rum, bis Letztgenannte dann tatsächlich an die Scheiben des La Catrinas klopften. Schlussendlich diskutierten 3 Gesetzeshüter solange mit dem Barchef, bis sie von einem Gast ein Bier offeriert bekamen. Was die fleissigen Cowboys aus dem Chreis Cheib natürlich ablehnen mussten. Um was es genau ging – ich kann mich nicht mehr erinnern. Nur noch an das legendäre Konzert.
Übrigens: die Band verfasste über dieses Konzert eine Mini-Doku. Und was ich noch weiss: der charismatischen Bandleader schenkte mir nach dem Konzert die neue CD. DAS das nenn’ ich einen gelungen Abend. Die Scheibe könnt’ ich ja hier verlosen – aber ehrlich gesagt – nein. Das wertvolle Stück kommt mit mir mit. Die besagte Scheibe wird noch einige Runden drehen: von schummrigen Mietautos bis hin zu meinen zukünftigen iPods und v.a. gerade jetzt, in diesem fucking Moment. Und ich zähl die Runden mit. 1, 2, 3, 4, Scheisse lalalalalei!

Dead Car spielen am 30. November übrigens nochmals in Zürich, im Stall 6.
Und hier weitere Infos:
Bandwebsite, diverse Songs gibt’s auf >>>MySpace.
und zu guter Letzt, die Facebook-Page.
.. gerne würde ich hier ein besseres Youtube Video präsentieren, leider finde ich lediglich dieses hier. Einerseits ist es von der Qualität her nicht gerade Hollywood, aber andernseits wiederspiegelt dieser Clip ansatzweise die Energie des Live-Moments von In The Dead Car. Und falls der zweite Teil des Dokus über das Konzert im La Catrina jemals erscheinen sollte, dann findet ihr diesen garantiert als erstes auf BONZ.CH.

Weitere Clips:
In the dead Car – 2010
Birds Song – In the dead Car
Cinema – In the dead Car
I’m a Werewolf – In the dead Car
In the dead Car at a restaurant

Woven Hand

Gestern hatte ich das Glück und durfte Woven Hand und damit den absolut grandiosen Künstler David Eugene Edwards im Viadukt hautnah erleben. Das kleine aber sehr feine Lokal “Restaurant Viadukt” hat mit Woven Hand eine Riesenportion musikalische Qualität nach Zürich gebracht. Auch bot das Lokal mit seinem schönen Gewölbe eine würdige Kulisse für den wunderbaren Künstler. Das Konzert war grossartig, wenn nicht denkwürdig. Edwards bot den Besuchern eine ungewöhnlich intensive Performance. Dieser Künstler ist eine wirklich spezielle Erscheinung, ein Freak im positiven Sinne, mit einer ziemlich merkwürdigen und interessanten Gestik und Mimik, die einen das gesamte Konzert hindurch in den Bann zog. Ich kann mich nicht daran erinnern, mal an irgendeinem anderen Konzert so viele Gänsehaut-Anfälle gehabt zu haben. Wie man sieht, bin ich schwer beeindruckt von Edwards und seinen Mitmusikern, und dies nachhaltig.

Edwards ist übrigens auch der Sänger der 2005 aufgelösten Band 16 Horse Power. Er wuchs in der religiösen Gemeinschaft der Kirche des Nazareners auf und war in seiner Jugend mit seinem Grossvater, einem Wanderprediger, unterwegs. Daher drehen sich seine Texte oft um Religion und Spiritualität. Aber hey, eigentlich ist’s egal, ich meine Beck ist auch in der Scientology und macht trotzdem gute Musik.
Über Edwards wurde ein Dokumentarfilm gedreht. (s. weiter unten)
Wovenhand spielt dieses Wochenende nochmals in der Schweiz: am Rock Altitude Festival in Le Locle.

David Eugene Edwards, 11. August 2011, Viadukt Zürich:

Hier noch die Youtube Links zum Dokumentarfilm: David Eugene Edwards – The Preacher: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5.

Und hier einer der bekanntestens Songs von Wovenhand: Dirty Blue.

Weitere Konzerte im Viadukt Zürich:

Freitag 2. September: Reverend Beat-Man, The Giant Robots, DJ The Trottles of Dead
Sonntag, 18. September: Gus Macgregor feat & Jaël
Donnerstag 29. September Gustav, Fiona Daniel Solo
Samstag 8. Oktober: Mama Rosin, The Honshu Wolves und Black Sally
Samstag & Sonntag, 9. und 10. Okotber: Jazzwerkstatt Zürich
Samstag 22. Oktober: Monotales
Sonntag 23. Oktober: 22 Pistepirkko, Mirel Wagner
Donnerstag 3. November: Jochen Distelmeyer
Samstag 19. November: The Deadstring Brothers
Freitag 25. November: Sarabeth Tucek
Samstag 26. November: Duke Garwood