Konsumkolumne #2: Kleines Lob des Schnupftabaks

Innerhalb der Tabakgenusskultur hält der Schnupftabak ein Schattendasein inne. Erstaunlich, denn gerade für Rauchaussteiger, die nicht auf Nikotin verzichten können (/wollen), bietet er eine abwechslungsreiche Alternative. Für den Schnupftabakkonsum spricht zudem, dass er allerorts vonstatten gehen kann; gewisse Etiketten (wie das Aufsichtragen eines sauberen Nastuches) sollten allerdings eingehalten werden.

Derzeit dürften etwa gegen tausend(!) verschiedene Schnupftabaksorten auf dem Markt zu erstehen sein. Wer schnupft, begibt sich sozusagen auf Weltreise, die einem von Deutschland via Holland nach England, über Brasilien nach Indien und noch viel weiter führen kann. Dabei trifft man auf die verschiedensten Tabaksorten, die durch unterschiedliche Verarbeitungsweisen hergestellt werden: Der Schnupftabak kann in sehr fein gemahlener, aber auch in grobkörniger Gestalt daherkommen – staubtrocken oder aber sehr feucht sein.


Einblick in eine ‚Schnupftabakmanufaktur‘

Ebenso von Vielfalt zeugen die Aromatisierungen, mit welchen die Tabake verfeinert werden: Diese reichen von Gewürzen wie Anis oder Zimt, über Schokolade und Kaffee bis hin zu Alkoholika wie beispielsweise Whisky oder Rum. Wer es lieber fruchtig mag, der findet neben dem bekannten Aprikosenschnupf ein breites Angebot, welches sich von Banane über Erdbeeren bis hin zur Passionsfrucht erstreckt.
Der gemahlene Tabak lässt sich mit allem Denkbaren aromatisieren, so dass zuweilen auch absurde Kreationen wie etwa Cheese and Bacon oder Wine and Cheese entstehen. Wer den Tabak aber lieber naturbelassen geniessen möchte, der findet ebenfalls entsprechende Sorten.

Das Schattendasein dieser Tabakkonsumationsweise mag darauf beruhen, dass gerade bei Städtern der Schnupftabak in ländlichem – hier mal abwertend gemeint – Ruf steht, wird das Schnupfen doch oftmals mit grotesken Holzschleudermaschinen, primitiven Ritualsprüchen (die zuweilen durchaus poetisch sein können) oder barbarischen – korrekt wäre hier eher: bajuwarischen – Wettbewerben assoziiert. Ironischerweise ist das Sortiment an Schnupftabaken in städtisch gelegenen Tabakläden meist viel umfassender als in ihren Pendants auf dem Lande. Es muss sie also geben, die urbane Schnupfgemeinde, irgendwo im Verborgenen agierend.


Sportwettbewerb oder Freakshow?

Obgleich hierzulande doch recht häufig geschnupft wird, war die Schweiz hinsichtlich der eigenen Schnupftabakherstellung bis vor kurzem aber ein Brachland: Die Zeiten als in der Fabbrica Tabacchi Brissago noch Schnupftabake hergestellt wurden, sind vorbei.
Auch die bekannten Schweizer Tabakfirmen üben sich in Sachen Schnupftabakherstellung in Zurückhaltung: Zwar produziert die Zigarrendynastie Villiger und Söhne unter dem Label Braniff zwei leckere Schnupftabake, allerdings nicht hierzulande, sondern in Deutschland für ein deutsches Publikum (Anm.: Dank Internethandel sind solche Schranken mittlerweile obsolet geworden). Andere Sorten mit Schweizer Bezug sind Swiss Chocolate des indischen Hersteller Dholakia sowie der Stammheimer Hopfenschnupf, der auf einer in der Schweiz geborenen Idee basiert.

Das in Basel ansässige Unternehmen A+S Schnupftabak hat sich nun angeschickt, die vorhandene Lücke zu schliessen. Die anfängliche Idee bei der Herstellung auf in der Schweiz kultivierte Tabake zurückzugreifen, hat man nach gescheiterten Experimenten – vorerst – wieder fallen gelassen: Denn nach Heu sollte der Schnupftabak – bei aller Heimatliebe – nicht riechen. Stattdessen basiert der A+S Schnupftabak auf einer Mischung aus Ãœberseetabaken, deren an Zigarren erinnernde eigene Note als ‚Nachklang'* bemerkbar wird. Die Aromatisierung ist einzigartig: Bekannt (und ‚erschnupperbar') ist, dass die auf ätherischen Ölen basierende Rezeptur unter Anderem, Rosen-, Zimt- und Vanille-Essenzen enthält. Abgerundet* wird diese komplexe Mischung durch eine relativ starke Mentholnote. Letzteres ist der Grund, weshalb diese ‚Schweizer Komposition' dem Genre der ‚medicated snuffs' – als bekanntester Vertreter ist hier Mc Chrystal's O&G zu nennen – zuzurechnen ist. Kaum vorstellbar, aber noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts konnte man Schnupftabake solcher Art aufgrund ihrer (angeblich) medizinischen Wirkung in Apotheken erwerben. Auch wenn die Bezugsquellen nun Andere sind – und der Tabak im gesellschaftlichen Diskurs unlängst als Teufelszeug deklassiert wird – ist es doch schön, dass das aus alten Rezepturen gewonnene Fachwissen des Apothekers in Form dieser Tabakmischung den Sprung in die Gegenwart geschafft hat. Tradition äussert sich in diesem Fall in ihrem besten Sinne als Qualität.

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Adressen, wo ihr den A+S Schnupftabak kaufen könnt, findet ihr hier.
Für die Bonz-Leserschaft hält A+S Schnupftabak ein paar Bonbons bereit: Die ersten fünf ‚liker' der FB-Seite, die den Betreibern zusätzlich die Botschaft „bonz.ch“ übermitteln, erhalten gratis je eine Büchse A+S Schnupftabak zugestellt. Viel Glück und Priis!

*Ãœber Schnupftabake lässt es sich auf ähnliche Weise fachsimpeln wie über Weine.

n.n.m.s.

Kompost und Komposita.

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