Heisses Eisen: Das Beste aus 2013 // Teil IV

Kommen wir zum Nachschlag, zum Bonus, zu den Alben, die ich – unverzeihlich! – fast vergessen hätte. Irgendwie passen sie nicht in die vorherigen drei Best of’s. Sie nicht zu den Highlights 2013 zu zählen, wäre dennoch Sünde. Mit dem letzten Beitrag für diese Jahr, erteile ich mir quasi selber die Absolution. Wer sich ebenfalls reinwaschen möchte, besorge sich sämtliche von mir empfohlenen Scheiben, schliesse sich vom 24. Dezember bis am 3. Januar in den Keller ein und gebe sich der totalen Heavy Metal-Dauerbeschallung hin. Auf ein grandioses 2014!

Kvelertak – Meir

Diesen durchgeknallten Haufen muss man eigentlich live sehen: Power ohne Ende, Blut, Schweiss und Tätowierungen satt. Das Debut hatte 2010 eingeschlagen wie eine Bombe: High Energy-Punk Rock meets Black Metal brachte man das Rezept vereinfacht auf den Punkt. Klingt geil, aber auch nach Sackgasse. Irgendwie. Kvelertak beweisen auf Meir, dass sie mehr sind als musikgewordenes Red Bull. Das Spektrum wurde um jede Menge Classic Rock angereichert, um grosse Melodien, noch einprägsamere Refrains. So gibt es Momente, in denen man sich die Band nicht mehr nur im dampfendheissen Club, sondern tatsächlich auf der ganz grossen Stadionbühne vorstellen kann. Ich bevorzuge immer noch ersteres. Dennoch: Meir macht mehr Spass als fast alles, was 2013 veröffentlicht wurde.

Carcass – Surgical Steel

Ganz ehrlich: Als die ersten Gerüchte über eine neue Carcass-Scheibe die Runde machten, brach ich nicht gerade in Begeisterung aus. Zu tief waren die Erwartungen, zu gross die Befürchtung, der Schuss könnte nach hinten losgehen. Wie sehr man sich doch täuschen kann! Als ob es die zwanzig Jahre seit Heartwork nicht gegeben hätte, hauen Carcass auf Surgical Steel feinste Mörderriffs am Laufmeter raus, Jeff Walker keift wie zu allerbesten Zeiten. Eigentlich erinnert Surgical Steel sogar noch mehr an das 91er Necroticism-Ãœberalbum. Mehr geht nicht. Das eigentlich Erstaunlichste am Ganzen ist aber, wie locker die alten Herren 95 % der Melodic Death-Releases der letzten 15 Jahre in die Tonne knallen. Nein, ich übertreibe kein bisschen!

Darkthrone – The Underground Resistance

Natürlich leisten Darkthrone heute keine Beiträge mehr zu musikalischen Revolutionen. Aber sie stehen als stoischer Fels in der Brandung, wenn es um den Widerstand gegen hypermoderne, zu Tode editierte und komplett seelenlose Produktionen geht. Und sie tun das – darauf wird es Widerspruch geben – nicht mit ideologischer Verbohrtheit, sondern mit sympathischer Nonchalance, mit der Gelassenheit derjenigen, die niemandem mehr etwas beweisen müssen. Leidenschaftlich, ja mit geradezu kindlicher Begeisterung huldigen Fenriz und Nocturno Culto ihren Lieblingen, die heute Agent Steel und Exciter – gar Savage Grace! – heissen, nach wie vor aber auch Celtic Frost. Die Produktion rumpelt übrigens längst nicht so, wie sich manch Skeptiker das vorstellen mag. Ich find sie richtig old-schoolig fett. Für mich die beste Darkthrone seit den ganz alten Tagen.

Tribulation – Formulas of Death

Zum Schluss des Endes noch einmal ein richtiges Zückerchen. Es soll ja Leute geben, die von Formulas of Death enttäuscht waren. Klar, das klassische schwedische Old School-Brett, das das Tribulation-Debut ausgezeichnet hatte, gibt's hier nicht mehr. Hier hat wohl nicht nur eine Entwicklung, sondern ein echter Befreiungsschlag stattgefunden. Tribulation haben sämtliche Genreketten gesprengt und uns ein Opus Magnum des extremen Metal präsentiert. Formulas of Death ist ein Album wie ich es liebe: voller Ãœberraschungen und Spielfreude, progressiv, bewegend, vielseitig und doch alles andere als verzettelt. Diese Band schert sich keinen Deut um Erwartungshaltungen, packt wie es ihr gefällt Black, Death und Heavy Metal, Rock und psychedelische Elemente in einen Sack, schöpft das eigene kreative Potenzial aus. Was gäbe ich drum, das US-Tour-Package mit Watain und In Solitude hier live auf einer Bühne zu sehen! Warum finden solche Tourneen eigentlich nie in Europa statt?

Matte

Für Heavy Metal zuständig … und ist der linke Fuss und die rechte Hand von Trollhauser.

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