Newsfeeds Manipulation

Anfangs 2012 benutzte Facebook seine User als Versuchskaninchen. Der Newsfeed von 310 ´000 Nutzern wurde so manipuliert, dass bei einer Gruppe alle positiven News herausgefiltert wurden, bei einer anderen wurden alle negativen Meldungen gefiltert und bei einer dritten alles mit Emotionen. Die Autoren der Studie fassen zusammen:

We show, via a massive (N = 689,003) experiment on Facebook, that emotional states can be transferred to others via emotional contagion, leading people to experience the same emotions without their awareness. We provide experimental evidence that emotional contagion occurs without direct interaction between people (exposure to a friend expressing an emotion is sufficient), and in the complete absence of nonverbal cues.

PNAS http://www.pnas.org/content/111/24/8788.full
Kramer, Guillory & Hancock, 2014
http://www.pnas.org/content/111/24/8788.full

Wer Positives im Newsfeed gelesen hat, postet eher Positives. Selbiges mit negativen News. Weniger posten jene, bei denen alle emotionalen Meldungen im Newsfeed herausgefiltert wurden.

Interessant die Reaktion der sogenannten Netzgemeinde auf diese Meldung. Nach über zwei Monaten scheint man sich nun eine Meinung gebildet zu haben und ist etwas empört (Spiegel.de, theatlantic.com)

Facebook äusserte sich deshalb heute über diese Angelegenheit:

„We carefully consider what research we do and have a strong internal review process. There is no unnecessary collection of people's data in connection with these research initiatives and all data is stored securely.”

Das ist natürlich glaubwürdig. Und weil Facebook ein börsenkotiertes Unternehmen ist, können wir davon ausgehen, dass ethische Grundsätze eingehalten werden und die Interessen der User nicht jenen der Aktionäre geopfert werden.

Etwas stossend vielleicht, allenfalls sogar skandalös scheint, dass es Facebook ohne das Wissen der Nutzer gemacht hat. Es wäre aber schon sehr tragisch, wenn eine Studie, die sich mit der Verbreitung guter Laune befasst, für so viel Unmut sorgen würde. Deshalb sollten wir Facebook etwas mehr Vertrauen entgegenbringen. Die Verbreitung guter Laune ist eine legitime Weltverbesserungs-
massnahme. Entsprechend sind Forschungen sowie andere Anstrengungen legitim, welche die Entwicklung von Technologien bezwecken, mithilfe derer die Verbreitung guter Laune gefördert werden kann. Leider kommt es nur selten vor, dass ein Unternehmen sich für das Allgemeinwohl und eine bessere, freundlichere Welt einsetzt. Dass hingegen Facebook keine Mühen und Kosten scheut, einen Beitrag zum Wohle künftiger Generationen zu leisten, darf nicht mit unqualifizierter Kritik und Polemik bestraft werden.

Ein Gedanke zu „Newsfeeds Manipulation

  • 29. Juni 2014 um 15:46
    Permalink

    Praktisch jeder online Shop nutzt seine User als Testkaninchen für A/B Testings. Aktuell macht das Digitec gerade. Nein natürlich geht der Test bei Facebook um einiges weiter. Was mich an Facebook schon lange nervt sind die nicht vorhandenen Filtermöglichkeiten des Newsfeeds sowie eben die Intransparenz des EDGE-Ranks. Dazu kommt die fehlende Reichweite der Posts auf FB-Fanpages, da muss man mittlerweile schon tief ins Portmonee greifen, will man seine eigene Community erreichen die man mit viel Fleiss, Müh und Not aufgebaut hat. „Facebook ist kostenlos und wird es immer bleiben“ stand früher mal auf der Startseite – ein Spruch der heute schon fast grotesk anmutet. Aber wie du erwähnst, Facebook sorgt sich halt um das Wohl aller (Aktionäre).

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