Under The Skin: Ein Cyborg als Sexpuppe

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Ich komme soeben leicht verstört und ein wenig gelangweilt aus dem Kinofilm Unter The Skin – eine wunderbar sanfte Komödie für laue Sommerabende, in welcher ein sympathisch aufgeweckter Cyborg tabsend die strahlend lächelnde Welt entdeckt und dabei ein paar Männer entführt.

Nicht!

Der Film ist ein düsterer Experimentalfilm geworden, in welchem ein ausserirdischer Cyborg getarnt als Scarlet Johansson auf die Suche Nach Männern geht, die dann wohl verspeist werden. Das geschieht aber nicht so lustig und unterhaltsam wie in Peter Jacksons „Bad Taste„, sondern kommt als leicht gelangweilter Experimentalfilm daher. Aber jetzt der Reihe nach: Der Film beweist, dass narratives Kino ohne Protagonisten einfach nicht funktioniert.

Der zentrale Gedanke dieses Films ist, dass in vielen Szenen die Schauspielerin Scarlett Johansson nicht als Schauspielerin erkennbar sein sollte. So wurden doch tatsächlich einige der Szenen mit versteckter Kamera gefilmt. Scarlet konnte sich während des Drehs also relativ „frei“ in der Welt bewegen und die Passanten wurden, ohne dass diese es merkten (!), in den Film integiert. Auch war das Set angeblich „getarnt“, so dass angeblich wirklich gar niemand bemerkte, dass eigentlich ein Film gedreht wurde.
In der Tat fängt die Kamera einige Momente ein, die auf diese Art und Weise wohl nie an einem klassichen Filmset hätten gedreht werden können. Dies alles wusste ich zu Beginn des Films allerdings nicht, weswegen mir einige Szenen wie zusammenhangslos aneinandergereihte Realitätsschnipsel vorkamen.

Die Atmospähre hingegen, die ist durchaus gelungen. Es wird ein kaltes, emotionsloses und windiges Schottland vorgestellt. Ständig regnets und rauschts, gewaltige Wellen krachen an nackte, dunkle Felsen. Meine Sitznachbarin im Kino fror jedenfalls den ganzen Film über und wickelte sich immer tiefer in ihre Jacke ein. Dazu kommt eine Geräuschkulisse, die auf den ersten Blick jeweils nicht ganz zum Geschehen auf der Leinwand passen mag, aber so die Story erweitert. Ja, man muss ja nicht immer genau das hören was man auch sieht. Ein wunderbares stilistisches Mittel, welches den Horizont des Films erweitert, die Sinne anregt und damit inspiriert.
Und damit komme ich zum ganz grossen Plus des Filmes: die Musik. Mica Levi, auch bekannt unter Micachu, stammt aus Guilford, Surrey. Die Gute ist noch nicht mal dreissig Jahre alt. Auch die Infos in der Pressemappe geben nicht viel her. Sie hat eine Musikschule besucht (wow!) und experimentierte mal mit selbstgebastelten Instrumenten (wow!). Trotzdem ist der Soundtrack echt vom Feinsten, das kannst Du mir glauben:

Der Film kriegt von mir das Prädikat: Sehenswert. (Warme Jacke mitnehmen nicht vergessen.)

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Die Fotos die diesen Blogpost illustrieren wurden übrigens illegalerweise während des Films abfotografiert. Abmahnungen wie immer an mich (Fabrikstrasse) – ja du kleiner hinterfotziger Anwalt du weisst genau wen ich meine. Rechne einfach nicht so schnell mit einer Antwort meinerseits, die BONZsche Rechtsabteilung befindet sich in Amsterdam, die Steuerabteilung liegt in Zug und Gerichtsstand ist Gibraltar – wie es sich halt für ein internationales (Blog)Unternehmen gehört.

Christian Mäder

BITLAKE | Content Distribution

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