Scythrop Glowry


Barnaby Green alias Scythrop Glowry ist ein Songwriter aus Schwyz. Zur Zeit schreibt er pro Woche ca 3-4 Songs und nimmt sie ohne externes Mikrofon direkt im Garageband ins Mikrofon des MacBooks seines Mitbewohners auf. Um ein Mikrofon zu kaufen fehlt Motivation und Geld. Trotzdem ist der 1978 geborene Brite mit schwyzer Wurzeln (oder umgekehrt) schwer am Arbeiten. Wer selber noch nie einen Song geschrieben hat, weiss auch nicht, was es dazu braucht. Und es ist Arbeit. Nur wird diese Arbeit hierzulande kaum respektiert; da sie kein Stutz bringt, wird sie zum Hobby degradiert.
Ein richtiger Romantiker (wobei man da einen deutlichen Unterschied zwischen den englischen und den deutschen machen muss) lässt sich von gesellschaftlicher Akzeptanz allerdings kaum beeinflussen. Barnaby schreibt unermüdlich Lieder über die Einsamkeit. Jeder Mensch bleibt in seiner Haut gefangen. Die Musik ist Selbstausdruck. Mit einer Vielzahl an Einflüssen kann man in seiner Musik Folk, Punk und 80er-Independent erkennen. Der Text ist wichtig. Und die richtige Einstellung. Es muss nicht perfekt sein. Es muss einfach stimmen. Und das erkennst du intuitiv. Oder nicht. Die Flangereffekte werden, der Aufnahmetechnikkenntnis wegen, etwas oft eingesetzt. Sie wirken aber träumerisch und verwirrend.
Wie alle grossen Künstler klaut Scytrop Glowry Titel und Textpassagen von anderen, noch grösseren Künstlern. Eiskalt. Und ohne schlechtes Gewissen. Schliesslich ist es nicht CopyPaste. Hier wird Musik mit Kopf und Hand gemacht. Obwohl er sich eher als Musikfan denn als Musiker bezeichnen würde. Und auch eher als Leser denn als Songwriter. Und doch entsteht hier dramatische Romantik. Coleridge wird zum Beispiel angerufen. Aber auch Science Fiction hat seinen Platz.
Die Songs auf Scythrop Glowry’s Soundcloudseite sind oft nur nummeriert. Zu den betitelten Werken gesellen sich, neben den geklauten Auszügen, auch eigene ironische Umdeutungen und Eigenkreationen. Das Gehirn als Gefängnis – diesen Gedanke hat Barnaby vom Schaffer von BladeRunner Philip K. Dick im Song Black Iron Prisoner gestohlen. Oder den Titel Wicker Man hat Barnaby vom 60er-Jahre-Film mit Christopher Lee übenommen, da das Symbol Wicker Man für ihn eine Metapher für einen ist, der in der Liebe verbrennt. Oder Bedlam, eine Anspielung auf die legendäre Psychie Bethlem Royal Hospital in London. Barnaby sagt zum Songtitel: „Wäre ich vor 100 Jahren geboren, wäre ich vielleicht dort. Viele, die nicht verrückt waren, waren dort.“ (dazu: Normal). Zuweilen bemüht sich Barnaby sogar die Gräben zwischen den Sprachen aufzufüllen. So gibt es z.Bsp. auf Englisch keine Ãœbersetzung für das Wort Irrlicht. Nach mehrmaligem Umdenken (wrong light/crazy light/…) kam er auf den Songtitel Joker’s Light.
Die Einflüsse von Scythrop Glowry lassen sich unmöglich abschliessend darstellen. Zuviel Zeit und Aufmerksamkeit hat der Sänger mit Musik und Literatur vergangener Zeiten verbracht.
Um dem geneigten Leser trotzdem einen Eindruck zu verschaffen, führe ich hier einige jüngstgenannte Beispiele an.
Pop:
The Smiths
McCarthy
Loop
the nightingales
field mice

Folk:
Carter Family

Classic:
Schubert

Krautrock:
Harmonia
Amon Düll
Can
Faust
oder in England Kevin Ayers
XTC
Robyn Hitchcock

Haupsache experimenteller Pop, der versucht anders zu sein.
Unterstützt Scythrop Glowry mit Aufmerksamkeit. Songs hören und bei Gefallen liken.
Barnaby Green schrieb zudem alle Song für die Quiet Days.

Befelino

Schreibt über Kultur, Musik und Filme.

Ein Gedanke zu „Scythrop Glowry

  • 18. September 2014 um 10:19 Uhr
    Permalink

    A beautifully detailed and understanding review. You bring the reasons behind Barny’s music to light like no-one else can.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

X