PADRONE E SOTTO – oder ein Spiel mit der Wirklichkeit [Interview und Kinotickets]

,,Es ist ein gemeines und fieses Spiel, organisiertes Mobbing… man muss clever sein, die Atmosphäre ist rauh…“ Es geht um Padrone e Sotto, ein Karten- und Trinkspiel, eine Mischung aus Taktiererei, Machtspielchen und Zufall, dazu kommt der Alkohol. Der Padrone (Herr) darf trinken und bestimmen, wer sonst noch trinkt. Der Sotto (Knecht) bleibt trocken.
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Sieben Wochen verbrachten Regisseur Michele Cirigliano und Kameramann Aurelio Buchwalder in einer Bar in Süditalien und filmten eine Gruppe Mànner, die sich mit dem Spiel die Zeit vertreiben. Entstanden ist eine Doku, die derzeit in den Kinos zu sehen ist. Michele erzählt mir von den Dreharbeiten, vom Film und diesem seltsamen Spiel.

,, Das Drehen war amüsant, aber auch sehr intensiv. Mit der Zeit schien sich alles zu wiederholen, da musste man aufmerksam bleiben, um die Finessen ihres Verhaltens einzufangen.“ Das Spiel und die heruntergekommene Bar sei fester Bestandteil im Leben dieser Männer, die meisten ende fünzig. Zwei mal täglich treffe man sich dort, einmal eher kurz über Mittag, abends dann open-end – dabei verwandle jeder im Schnitt zwei bis drei Liter Bier zu Pisse. ,,Es geht vermutlich auch darum, die Alkoholsucht zu kaschieren.“

Die Grenze zwischen Spiel und Wirklichkeit sei unscharf. Beispielsweise, wenn der eine den anderen anbrülle, sei es schwierig abzuschätzen, ob es ernst oder Teil des Spiels sei – oder vielleicht beides. Weiter: Wer im Dorf eine wichtige Stellung einnähme, sei auch im Spiel eher auf der Gewinnerseite, da Loyalitäten, Abhängigkeiten und Rivalitäten eingebracht würden. ,,Der Krankenpfleger nimmt eine relativ wichtige Stellung im Dorf ein und pflegt die kranke Mutter seines Kumpels. So hat er auf subtile Weise Macht über ihn, auch im Spiel.“

Ob die Männer nicht merken, dass sie so gerade jene Situation inszenieren, der sie beim Spielen vermutlich zu entfliehen versuchen, meine Frage. ,,Nein, ich glaube nicht, dass ihnen das bewusst ist“, meint Michele.

Trotz Machtspielen, Alkohol und verschwimmenden Grenzen sei klar, wer der eigentliche Chef ist, respektive Chefin. ,,Die Barfrau zieht die Fäden. Sie ist Psychologin, macht Ordnung oder schaut, dass nicht geraucht wird…“
pressefoto08_padroneesotto ©vinca_film
Der Dok ist zum Schmunzeln und ernüchternd. Er zeigt auch einen Ausschnitt aus dem Süden Italiens, der Aussenstehenden normalerweise verborgen bleibt. Also eine Gegend, schwer auf dem Lande, wo die Konzepte von Herr und Knecht noch gelebt werden, Loyalität einen gewissen Stellenwert hat und die Familie die Fäden zieht…

In diesem Sinne erfolgt die Verlosung der beiden Kinotickets intransparent und unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wer es trotzdem versuchen will, postet eine Antwort auf diesen Post.

Oder am 23. und 26. Januar an den Solothurner Filmtagen.

3 Gedanken zu „PADRONE E SOTTO – oder ein Spiel mit der Wirklichkeit [Interview und Kinotickets]

  • 25. Januar 2015 um 21:47
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    Hört sich sehr interessant an, wie richtiges leben halt…

  • 28. Januar 2015 um 23:02
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    Darf man eigentlich als Blogger auch mitmachen bei Verlosungen? Wenn, dann nehme ich auch gerne an der Verlosung teil! ;D

  • 29. Januar 2015 um 21:32
    Permalink

    ich möchte auch an der Verlosung teilnhemen. Danke!

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