Konzertbericht: Sixto Rodriguez

Obwohl in einem ausserordentlich fundierten Artikel im Tagesanzeiger „nachdrücklich“ von einem Rodriguez-Konzertbesuch abgeraten wurde, war auch sein zweites Konzert im Kongresshaus quasi ausverkauft.
Zeitungspapier nimmt  nicht nur alles an  –  Zeitungspapier tönt auch nicht.
Darum gibt’s hier erst mal Musik von Sixto Rodriguez

Laut Tagi ist sein Gitarrenspiel „unpräzise“ und seine Stimme „unzulänglich“.

Okay: Das Gitarrenspielen hat er wahrscheinlich nie so klassisch gelernt, wie man das vielleicht auf einer Waldorfschule macht. Seinen Namen klatschen, kann er wahrscheinlich auch nicht.
Und ja, es gibt Momente, in denen er den Ton nicht trifft.
Obwohl es live nicht so tönt wie  auf  CD  (oh Gott, wer will das schon!), spricht er offenbar trotzdem ein Publikum von jung bis alt an, denn an diesem Abend sassen der Schlipsträger neben dem Skateboarder, die Mutter neben der Tochter und der Szeni neben dem Landei.

Zugegeben, da spielt natürlich auch der Personenkult nach dem oscarprämierten Dokumentarfilm „Searching for Sugarman“ eine Rolle.
Aber vielleicht haben die Leute auch mal nur Bock auf ehrliche Musik. Die gab es bereits im Vorprogramm mit Charlie Cunningham. Er lockte das Publikum bereits um 8 Uhr vom Foyer in den Konzertsaal und war selber überrascht über den zahlreichen Applaus, den er erntete.

Kurz vor 9 wurde dann Sixto Rodriguez auf die Bühne geführt. Wegen einer Augenerkrankung ist sein Sichtfeld stark eingeschränkt. Als er dann aber mit seiner Gitarre richtig vor dem Mikrofon platziert war, war er in seinem Element.

Rodriguez
Nach dem Opener „Only Good for Conversation“ brachte er mit „I Wonder“ gleich einen seiner grössten Hits und sorgte damit für Südkurvenstimmung  auf den oberen Rängen. Der laute Jubel verstummte aber sofort, wenn Sixto wieder einen Song anstimmte – andächtiges Zuhören war angesagt. Und die meisten konnten sich sogar das Musikantenstadl-Geklatsche verkneifen.

Leider wurde das Konzert mit einigen Covers unnötig in die Länge gezogen. Die meisten im Publikum hätten sicher gerne auf „La Bamba“ und Co verzichtet und dafür einen Rodriguez Song mehr gehört. 3 davon gab es dann am Schluss noch zur Zugabe, was dann die Sitzordung (endlich) total durcheinander brachte, weil sich das Publikum vor die Bühne drängte.

Offenbar reisst man die Leute also auch trotz „unpräziser Gitarre“ und „unzulänglicher Stimme“ von den Sitzen.

Märä

Stieg einst von den hohen Glarner Bergen herunter in die Häuserschluchten Zürichs, um sich todesmutig in die Konzert-Locations in der Umgebung zu stürzen. Was dabei alles so passiert, liest man jeweils hier auf Bonz.ch. Ausserdem hört man mich ab und zu beim besten Radiosender der Welt: toxic.fm!

4 Gedanken zu „Konzertbericht: Sixto Rodriguez

  • 20. Mai 2015 um 14:59 Uhr
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    Danke, danke. Hatte den Artikel am folgenden Tag ebenfalls gelesen… und war etwas verärgert über die Wertung. Das Konzert war grandios und bei einem 73-jährigen Künstler drücke ich gerne ein Auge zu, wenn nicht jeder Ton sitzt!! Nur schon diese Person zu erleben, welche hinter dem „Wunder“ an Lebensgeschichte steckt war Aufregung pur.
    Damals im Jahre 1988 kaufte ich mir die LP in Südafrika, ohne zu wissen, wie sehr die Südafrikaner ihn als ihren Befreiungskünstler verehrten und ohne zu ahnen, dass ich konfiszierte Musik nach Europa trage :-).

  • 22. Mai 2015 um 18:36 Uhr
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    Rodriguez: war ein super Konzert!

  • 27. Mai 2015 um 01:06 Uhr
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    Tagi hat echt nachgelassen.. ich lese in Sachen Musik Blonz. Ok in Deutschland Nicorola oder Testspiel.

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