Heisses Eisen: Acht Alben, die es (aus verschiedenen Gründen) nicht in meine Top 20 von 2015 geschafft haben – Teil II

Hier kommt der zweite Teil. Nochmals vier Alben, die es knapp nicht geschafft haben. Zumindest bei mir nicht. Also im Dezember nicht. Jetzt würden sie vielleicht, wer weiss. Egal, denn sie haben es im Gegensatz zu meiner Top20 in den Blog geschafft. Und ich leg gleich los.

Vaee Solis – Adversarial Light

 «Blackened Doom Metal » sagt  Metal Archives. Das klingt verdammt nach dem feuchten Traum eines jeden Mannes mit richtig gutem Musikgeschmack. Ist dabei aber auch nicht mehr als eine nicht allzu gebräuchliche Schublade. Black ist am ehesten noch das niedliche Reibeisenstimmchen von Gesangsnymphe Sofia Loureiro. Und die Atmosphäre vielleicht. Denn  die Portugiesen sind  durchwegs langsam und heavy genug unterwegs, um in erster Linie als Doom-Band durchzugehen. Einflüsse von Celtic Frost lassen sich nicht von der Hand weisen, ebenso wenig wie gewisse Neurosis- oder Sludge-Anleihen. Am Ende steht da aber einfach ein Album, das einen gnadenlos runterzieht in ein trostloses Jammertal der Unglückseligen – intensiv, manisch, unbarmherzig.  Ein musikalischer Genuss nicht nur für mentale  Borderliner.

  

Ahamkara – The Embers of the Stars

Ahamkara gehören zu den atmosphärischen Black Metal-Bands, die ihrem Klangkosmos eine grosse Schippe Erhabenheit hinzufügen. Und dass sie dies so überzeugend machen, erstaunt nicht, wenn man weiss, dass hier Michael Blenkarn federführend ist. Der Mann verleiht mit seinen Keyboardteppichen auch Wodensthrone diese geradezu cineastische Epik. Hier bewegen wir uns in ganz ähnlichen Gefilden. Wer diese Art von Black Metal liebt (wie ihn insbesondere englische Bands mit grosser Hingabe zelebrieren), dürfte dieses Album lieben. Blenkarm ist für die gesamte Instrumentierung zuständig und er leistet wahrhaft Grosses. Nicht zuletzt hat er seinen Drumcomputer so programmiert, dass er mich nicht im geringsten stört. Zugegeben: Ich hab zuerst nicht mal gemerkt, dass hier kein echter Drummer am Werk ist. Die Tragik an der Geschichte ist, dass Sänger Steve Black, der sich mit unglaublicher Inbrunst die Seele aus dem Leib kreischt, im letzten Oktober verstorben ist. R.I.P. Steve. Wir halten dein Vermächtnis in Ehren.

 

Horrendous – Anareta

Genau ein Jahr nach ihrem zweiten Longplayer lieferten Horrendous schon im Oktober 2015 ein weiteres  Album nach. Ich war durchaus etwas skeptisch ob des horrenden Veröffentlichungstempos. Aber die drei Amis räumen sämtliche Bedenken mit einer Flut an gottgleichen Riffs, völlig geiler Soli und tausenden coolen musikalischen Ideen aus dem Weg. Zuweilen wird der Band eine gewisse Orientierungslosigkeit vorgeworfen. Stimmt schon, sie lassen sich nicht einfach in eine der vielen Death Metal-Unterkategorien einordnen. Aber grad das find ich gut. Allzuweit hat sich die Band nicht vom Stil des Vorgängers entfernt, hat vielmehr ihre laufende Entwicklung dezent vorgeführt. Schwedentod, Carcass, Death würde ich als Stichworte in den Pit werfen. Dazu ne hübsche Portion klassischen Heavy Metal. Entscheidend ist aber die Spielfreude, der Ideen- und Melodiereichtum, der die Platte von vorne bis hinten durchzieht. Am Schluss sind Horrendous einfach ne fantastische  Band.

 

Mansion – Altar Sermon

Ep's haben es schwer, in Jahresbestenlisten zu kommen. Wohl auch darum ist die dritte und neueste Ep (die machen scheinbar nur Ep's) von Mansion an meiner Top20 vorbeigeschrammt. Völlig zu Unrecht selbstverständlich. Mansion sind ein Phänomen. Sie sind Band, Religion, Sekte, Wahn zugleich. Vor allem aber ein Gesamtkunstwerk. Dabei überzeugen sie musikalisch aber immer dermassen, dass man sich diesem nicht entziehen kann. Alle ihre Ep's entführen einen direkt in den skurrilen  Mansion-Kosmos aus Rollkragenpullovern, reaktionärer Pädagogik, vernichtenden Blicken, Personenkult und atmosphärisch-dichtem Doom-Rock. Eigentlich müsste die Band weltbekannt sein. Vielleicht ist sie dazu aber einfach zu abgefahren. Oder zu gut. Ich jedenfalls habe mein Leben längst Mutter Alma zu Füssen gelegt. Und ihr solltet das auch tun.

Matte

Für Heavy Metal zuständig … und ist der linke Fuss und die rechte Hand von Trollhauser.

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