Das Magic Life von Bilderbuch

Maurice und Mizzy von Bilderbuch sitzen neben mir auf dem Sofa und sind ziemlich sicher die enspanntesten Personen, die ein Montagvormittag je gesehen hat. Es gibt auch gar keinen Grund, unentspannt zu sein: Die neue Platte Magic Life wird am Freitag released. Dank ihrer bisherigen Erfolge eiern sie nicht mehr im Bandbus durch Österreich, sondern fliegen lässig zum Pressetermin nach Zürich ein.

“Jetzt ist grad so perfekt”, sagt Maurice auf die Frage, wie sich der Erfolg der letzten Jahre so anfühlt. Bilderbuch haben sich in ihre eigene Komfortzone gespielt. Wir von Bonz wussten ja vor 4 Jahren schon, dass das richtig gut kommt. Aber wann hat es die Band selber gemerkt?

Maurice: “Eigentlich schon bevor unsere EP Feinste Seide rauskam, hatten wir ein unglaubliches Selbstbewusstsein bezüglich unserer Musik. Wir waren uns sicher: Irgendwas muss jetzt passieren. Wenn nichts passiert wäre, hätten wir wahrscheinlich die Leute gewürgt und sie dazu gezwungen es geil zu finden.”
Mizzy: “Wir hatten da das Gefühlt des Freischiessens aus der Vergangenheit, auch im Zusammenhang mit dem Wechsel unseres Schlagzeugers. Das hat uns dann so ein richtiges Hochgefühlt verliehen.”
Maurice: “Das hat es aber auch gebraucht, sonst hätten wir das auch nie so präsentieren können. Wir gingen zu den Leuten hin und sagten: Da nehmt unsere Videos nehmt unser Auftreten, wir finden das geil. Wenn man sich sowas traut, muss man es auch mit der letzten Konsequenz präsentieren.”

Das Spezielle mit letzter Konsequenz präsentieren. Ist das die Strategie, die ihr immer weiterdreht?

Maurice: “Nicht bewusst. Bei Magic Life war es eigentlich so, dass man einfach mal Musik gemacht hat. Dass es wieder nach Bilderbuch tönen wird, war klar, denn die Charaktere geben die Linie vor und die sind ja gleich geblieben. Wir mussten uns eigentlich nur entscheiden in welche Richtung man geht, welche Vision man hat und wie man diese Vision nennen soll.”

Europa als All inclusive Club

Magic Life heisst die Vision – und spielt damit auf die Magic Life Ferienclubs an. All inclusive inkl. Bespassung und Meeranstoss. Aber wehe, wenn nur noch die Sonnenliegen ohne WLAN-Empfang frei sind! Oder die Remuladensauce schon wieder weggefuttert. Dann wird gepoltert an der Reception.

Maurice: “Und darum weht der Magic Life Schriftzug auf unserem Cover auf einer Europafahne. Wer’s checkt, der checkts, wer nicht: ist auch Wurst. Am Schluss bleibt die Musik. Und das war uns auch extrem wichtig. Wir wollten unsere politischen Gefühle einfliessen lassen ohne sie als Nummer 1 Grund nach vorne zu schieben.”

Kann man denn eure Musik überhaupt noch “einfach so hören” oder muss man das bewusst tun, um sie überhaupt zu verstehen?

Maurice: “Es gibt 1-2 Songs auf Magic Life, zum Beispiel Sprit’N’Soda, die könnten beim nicht bewusst hören unter umständen nerven, aber im Grossen und Ganzen habe ich bei der Platte das Gefühl, sie ist wie ein Drops, dass man sich 40 Minuten lang im Mund langsam zergehen lassen kann. Es ist vor allem ein in sich geschlossenes Album.

Wer Bilderbuch kennt, weiss: Es geht nicht nur um Musik, sondern auch um Style! Ist ein Bilderbuchkonzert also auch ein Theater mit Kostümen?

Maurice: “Ich würde sagen, es ist ein Theater ohne Kostüm. Natürlich haben wir Gestus, Drama und Pathos…”
Mizzy: “….aber das sind unsere eigenen veräusserten Persönlichkeiten. Wir sind nicht Typen, die das verschleiern sondern sie Highlighten. Es ist also bei einem Auftritt höchstens noch so, als würde man sich für den Discoabend sein besseres Shirt anziehen.”
Maurice: “Für uns ist das relativ natürlich. Wie das dann wahrgenommen wird, ist wieder etwas anderes”.

Der Grat zwischen Kostüm und veräusserten Persönlichkeiten ist bekanntlich schmal. Auch bei uns in der Schweiz reiten einige Künstler diesbezüglich auf Messers Schneide.
Oder wie sehen das Maurice und Mizzy Blue?

Bühne frei für den Bonz-Style-Check feat. Bilderbuch!

 

Kandidat 1: DJ Antoine. Zeigt gerne was er hat. Rolls Royce mit eingeschalteten Nebellichtern, Uhren aus Gold und Beine wie ein Storch.

Mizzy: “Er will sicher sagen, dass er sich nicht viele Gedanken um sein Outfit machen muss, weil er ja eine fette Karre hat.”
Maurice: “Wenn man ihn so privat erwischt, würde ich sagen, darf er das machen. Aber sonst hat das wenig Inhalt. Vielleicht hätte das Bild Inhalt, wenn seine Musik Inhalt hätte.”

 

 

 

 

 

 

 

 

Kandidat 2: Chris von Rohr. Die einzige Person, die eine Mütze mit angeklebten Haarteil auch abseits der Fasnacht tragen kann.

Maurice: “Das ist Classy. Die Brille ist sehr hart aber sonst timeless für einen Rocker.”
Mizzy: “Der hat sogar dieselben Armbänder wie ich!”
Maurice: “Ja ich denke, so muss ein Rocker heute ausschauen.”

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kandidat 3: DJ Bobo. Vor dem Musikgericht gäbe es mildernde Umstände, weil er zum Teil seine Verbrechen gegen die Musik einsieht und Reue zeigt. Trotzdem ist er Wiederholungstäter.

Maurice: “Ich hatte auch mal einen Goldenen Anzug an, aber bei ihm funktioniert er leider nicht. Ich hab viel besser darin ausgeschaut und vor allem war es nicht so over the top, sondern einfach schön. Den Geschmack findet man in der Kleinigkeit. Ich mein schau dir nur mal diese Schuhe an! Das geht gar nicht!”

Mizzy: “Bei DJ Bobo weiss ich nie, ob ich brutal viel Respekt vor ihm haben soll, oder gar keinen. Man hat immer das Gefühl er verfolgt etwas grösseres Ganzes, dass er aber nie findet.”
Maurice: “In 20 Jahren werden wir vielleicht sagen: Boah, was der gemacht hat, war echt krasser Shit.”

Tja, wer das herausfinden will, soll meinetwegen an eine DJ Bobo Show.

 

Viel eher würde ich euch aber die Show von Bilderbuch am 26. März 2017 im X-Tra in Zürich ans Herz legen! Das Album Magic Life kommt diesen Freitag 17.02. in die Läden.

Märä

Stieg einst von den hohen Glarner Bergen herunter in die Häuserschluchten Zürichs, um sich todesmutig in die Konzert-Locations in der Umgebung zu stürzen. Was dabei alles so passiert, liest man jeweils hier auf Bonz.ch. Ausserdem hört man mich ab und zu beim besten Radiosender der Welt: toxic.fm!

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