Black Mirror: Jobs gibts nur noch für Leute mit genügend Likes

Selten hat eine Serie derart polarisiert und provoziert wie „Black Mirror“. Wer Black Mirror gesehen hat wird diese Geschichten und Bilder für immer in Erinnerung behalten. Sozusagen als Mahnmale, was passieren kann, wenn wir Menschen der Technik zuviel Spielraum einberäumen. Denn genau darum geht es in dieser Serie: Die Auswirkung von modernster Technik auf den Menschen und die Gesellschaft.

Und so falsch liegt diese Serie damit nicht. In Deutschland wurde im Schatten der emotionalen Diskussion „Ehe für Alle“ kurzerhand durch die Hintertüre eines der krassesten Überwachungsgesetze und den Einsatz eines Staatstrojaners beschlossen. Und auch das krasseste Internetzensurgesetz schlitterte klammheimlich durchs Parlament. Jeder der sich ein wenig mit Technik und Gesellschaft befasst merkt, dass gerade nicht alles Bestens läuft, so salopp gesagt. Und hier kommt jetzt eben die Serie Black Mirror ins Spiel. Denn die klugen Köpfe, die hinter dieser Serie stehen, haben einiges für uns schon zu Ende gedacht und zeigen auf, wie die Welt in Zukunft aussehen könnte.

Jede Episode dieser Serie ist komplett eigentständig und in sich abgeschlossen und wurde auch mit unterschiedlichen Darstellern gedreht. Denn jede Episode stellt eine komplett neue und andere Welt dar.

Ein Terrorregime des Likens

In einer Episode spielt alles in einer Welt, die aussieht wie eine Werbung für Barbie. Alles ist pastellfarben, die Menschen sehen perfekt aus, alle wischen permanent mit mildem Lächeln über ihre Smartphones. Bestellt die Protagonistin einen Milkshake, kann sie den Verkäufer des Getränks per Smartphone bewerten. War er nett? Sah er gut aus? Wie war die Begegnung? Denn ales funktioniert über Likes. Luxusvillen gibts nur noch für besonders beliebte Menschen. Business Class kann nur noch jemand Nutzen, der ein hohes Rating, also viele Likes nachweisen kann. Komplett überspitzt, aber wer ein wenig nachdenkt muss dieser Folge attestieren, dass dies gar nicht so abwägig ist. Auch heute bekommt nur noch derjenige den Job, der ein gepflegtes Profil auf XING sowie LinkedIn hat. Zudem checken bereits heute die meisten Personalberater in einem Backgroundscanning die Social Media Channels der Bewerber.

Der Wille des Volkes

Die erste Folge ist ein politischer Thriller, in der der Premierminister Großbritanniens, Michael Callow, ein großes und schockierendes Dilemma erlebt, als die Prinzessin Susannah, ein beliebtes Mitglied der Königsfamilie, entführt wird. Als Bedingung für die Freilassung wird vom Premierminister Sex mit einem Schwein live im nationalen Fernsehen gefordert. Erst probieren die Geheimdienste die Medien zu bearbeiten, diese Forderung geheimzuhalten. Nur, das Video der Erpresser war ganze 7 Minuten auf Youtube und diese 7 Minuten genügten; zahlreiche Kopien werden erstellt und im Web verteilt. Diese absurde und perverse Forderung sowie die Entführung der Prinzessin wird publik und viral auf sämtlichen Social Networks.
Diese Folge ist eine interessante und vor allem knallharte Abrechnung mit den Medien und der Gesellschaft rsp. dem Umgang der Menschen mit Social Media und Newskonsum.

Black Mirror Trailer Staffel 3

Die ersten beiden Staffeln wurden auf dem britischen Channel 4 ausgestrahlt. Danach kaufte Netflix die Rechte und veröffentlichte im Dezember 2016 die dritte Staffel. Eine vierte Staffel wird wohl im Dezember 2017 freigeschaltet. Das gerade Netflix eine derartige Serie weiterverarbeitet erstaunt nicht. Denn Streamingdienste wie Netflix sind die Zukunft des „Fernsehens“. Ja, das mag bsp. hier in der Schweiz niemand so richtig glauben, aber Netflix hat zumindest in den USA einen krassen Marktanteil von 45%. Ja richtig gehört, 45% ALLER US-HAUSHALTE haben bereits ein Netflix Abo. Wenn man alle Streamingdienste zusammenfast, also Netflix, Amazon und Hulu, dann kommt man sogar auf einen Anteil von über 51%. Daher ist es nicht erstaunlich, dass sich Netflix mit neuen Technologien befasst, denn Dienste wie Netflix werden in naher Zukunft den Ton angeben — und damit Meinungen machen. Abgesehen davon ist Black Mirror mehr als nur sehenswert und es ist eigentlich egal auf welchem Sender oder Dienst man sich diese z.T. schwer verdaubare Kost zu Gemüte führt. Es wird sich in jedem Fall lohnen!

Quelle

>> Business Insider: Here are the groups of people in the US who don’t have Netflix yet — and how the company could snag them
>> Merkel und die Ehe für Alle – Die Respektlose

Bonus

>> Extra3 Satiriker befragen Politiker zum Thema Staatstrojaner

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