Unrealistische Schönheitsbilder auch in der Plus-Size-Mode

Model sind zu dünn, zu stark retuschiert und transportieren ein falsches Körperbild. Man könnte meinen, in der Hinsicht hätte sich in den letzten Jahres etwas getan; immerhin landete Ashley Graham vor zwei Jahren als erstes Plus-Size-Model auf einem Magazincover. Daraufhin wurde die Kritik an mangelnder Diversität in der Modeindustrie immer lauter – und tatsächlich hat sich seitdem einiges geändert.

Body Positivity und mehr Angebot

Schon lang können wir auf Social-Media-Netzwerken, vor allem aber auf Instagram, beobachten, wie sich mehr und mehr Menschen der Body-Positivity-Bewegung anschließen. Das Model Tess Holiday rief mit dem Hashtag #effyourbeautystandards auf, dass sich jeder so lieben solle, wie er ist – unabhängig von Hautfarbe, Konfektionsgröße oder Körperform. Als Plus-Size-Models wie Ashley Graham immer erfolgreicher wurden, sprangen auch endlich die Modeanbieter auf den Zug auf. Mittlerweile führen große Modeketten wie H&M, Forever21 oder C&A auch große Größen in ihrem Sortiment. Außerdem gibt es Anbieter wie Ulla Popken, die ausschließlich Mode in Übergröße herstellen lassen. Solche Modehäuser trauen sich mittlerweile mehr – statt nur weite Kleidung in gedeckten Farben anzubieten, gestaltet sich das Sortiment auch bei Herren deutlich mutiger, mit bunten Farben, Materialmix und figurbetonten Schnitten.

Auch bei Plus-Size wird retuschiert

Neben Instagram und Bekleidungsgeschäften, findet der Wandel auch in der Modeindustrie selbst statt, könnte man meinen. Immerhin laufen auf einigen Fashion-Shows wie bei den Designern Prabal Gurung und Michael Kors mittlerweile sowohl zarte als auch kurvige Models gemeinsam über den Laufsteg, und Ashley Graham schaffte es sogar auf das Cover der Vogue. Doch selbst Plus-Size-Models, deren Erfolg dazu beitragen, sollte ein ehrlicheres und positives Körperbild zu vermitteln, werden für Modestrecken gephotoshopt. Meistens bemerken wir das gar nicht, da wir uns bereits an gefakte Fotos gewöhnt haben. Doch Frauen mit Übergröße wird nun ein neues, verzerrtes Schönheitsbild vorgelebt. Kurven? Gern, aber bitte nur an den richtigen Stellen – meint: an der Oberweite und am Po, und straff sollten die Rundungen auch sein. Cellulite? Fehlanzeige! Eine Sanduhrfigur wie Ashley Graham sie hat, gilt als hübsch und wird als Plus-Size gefeiert. Wer mehr auf den Hüften hat, schafft es dann aber doch nicht auf die Vogue.

Nein zu Retusche!

Doch nicht alle machen hierbei mit. Sogar Ashley Graham selbst zeigt auf ihrem Instagram-Profil beide Seiten. Während auf dem einen Bild ihre Kurven glatt und straff wirken, stellt sie auf unbearbeiteten Bildern ihre Dellen zu Schau. Der Online-Shop Asos zeigt mittlerweile unretuschierte Bilder und die US-Kaufhauskette Target verzichtet bei einer Bademodenkampagne auf Photoshop – die Models werden hier mit Dellen, Falten und Dehnungsstreifen gezeigt. Wir finden, das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, um den vorgelebten Schönheitsbildern wieder etwas mehr Realität zu verleihen.

Bildrechte: Flickr This Is What A Fat Activist Does Southbank Centre CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

X