Weihnachtsessen mit den Breeders

„Tüend sie doch no chli Musig organisiere – so öppis lüpfigs. Wüssed sie, was ich meinä?“

So oder so ähnlich könnte der Satz lauten, den der Chef so im vorbeigehen seiner Sekretärin zuruft, wenn es um die Organisation des Weihnachtessens geht.
Sowas endet dann meistens mit einem übergewichtigen Alleinunterhalter, der in seinem verbeulten Chrysler Voyager und WordArt-Werbung auf der Heckscheibe vorfährt und alle mit seinem Keyboard-Kack nervt. Im besten Fall trinkt sich ein Angestellter am Fest soviel Mut an, um bei diesem Göppel auf dem Parkplatz immerhin noch die Reifen aufzustechen – aber nicht so bei uns! Unsere Weihnachtsessen sind cooler.
Denn wir wissen, wie man das macht – oder besser gesagt, wer das kann: Mainlandmusic hatte just zu unserem Weihnachtsessen die Breeders ins Dynamo eingeladen! Was für ein Zufall!

Gut genährt erreichten wir das Dynamo als gerade Disco Doom zu ihrem Heimspiel antraten.

© Tobias Marti

Gleich zu Beginn spielten Disco Doom ein Spiel, das unter Indie Rock Bands sehr beliebt ist: Wer zuerst den Akkord wechselt, verliert. Die sphärischen Riffs drangen bei mir zwar in die Magengrube, dort versperrte aber eine ziemlich grosse Portion Hackbraten das Weiterverbreiten der Schallwellen. Die Beats an den Drums waren jedoch besser als jeder Verdauungsschnaps und mit ein paar eingängigen Melodien taute die Stimmung weiter auf.

© Tobias Marti

Der Saal im Dynamo war schon früh gut gefüllt und zu meiner Überraschung gehörte ich diesmal zu den jüngsten – das kommt wirklich nicht mehr so oft vor. Die Leute, die hier waren, gehörten wohl zu denen, die in den 90ern noch rechtzeitig den Absprung von der Rolling-Stones-Zunge geschafft haben. Das Publikum hätte man locker als Gussform für die heutigen Hipsters hernehmen können – und das sage ich, obwohl sich einige davon bei der Bar vorgedrängt haben. (…ah ja: und meine das als Kompliment!)
Aber klar, Kim Deal und die Breeders wollte natürlich niemand verpassen..

© Tobias Marti

Entstanden ursprünglich als Nebenprodukt aus den Pixies und Throwing Muses, hatten sie mit Cannonbal einen weit bekannten Ohrwurm produziert und machten sich als Vorband von Nirvana einen Namen.
Die Band war ziemlich entspannt auf der Bühne – neben Breeders-Klassikern gabs ein paar Seifenblasen aus der Seifenblasenpistole, lockere Sprüche und Schadenfreude unter den Deal-Schwestern, wenn mal eine Gitarrensaite reisst. Dann waren sie aber wieder unglaublich cool.

© Tobias Marti

Nicht schlecht, wenn man so entspannt so viel Rock’n’Roll ausstrahlen kann.Es braucht nicht immer schnelle Riffs, harte Bridges, und laute Solis dafür – auch wenn mir das eigentlich lieber ist. Aber obwohl mir persönlich an diesem Abend die Power etwas fehlte, war es schön zu sehen, dass Instrumente und ein paar Gitarreneffekte eben doch ausreichen, um einen coolen, eigenständigen, wiedererkennbaren Sound zu schaffen.

Ein Grund mehr, keine Alleinunterhalter mit Keyboard mehr zu engagieren! – „Wüssed sie, was ich meine?!“

Märä

Stieg einst von den hohen Glarner Bergen herunter in die Häuserschluchten Zürichs, um sich todesmutig in die Konzert-Locations in der Umgebung zu stürzen. Was dabei alles so passiert, liest man jeweils hier auf Bonz.ch. Ausserdem hört man mich ab und zu beim besten Radiosender der Welt: toxic.fm!

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