Gewissheit der Überraschung mit dEUS

Überraschungen machen das Leben spannend! Solche Sätze geben viele Zweckoptimisten gerne – und meistens in den unpassendsten Momenten – von sich. Klar, Überraschungen sind toll. Aber manchmal ist die Gewissheit auch ziemlich cool. Der Abend mit dEUS bot ziemlich viel dieser coolen Gewissheit.
Es war zum Beispiel jedem klar, wie die Setlist aussehen wird. Es war ja eine dieser Happy-Birthday-Album-Touren. Gefeiert wurden 20 Jahre „The Ideal Crash“ von dEUS. Hmm, welche Songs werden da wohl gespielt? Eben!

Und dann war noch etwas anderes klar: Hier werden nur treue und ehrliche Leute im Publikum sein. Treu, weil, wer hält schon 20 Jahre (in den meisten Fällen wahrscheinlich länger) derselben Band die Stange? (Und nein, Rolling Stones Fans mit einem Rolling Stones Shirt aus dem H&M und einem Foto ihres Golden Circle Ticket als Desktop-Hintergrundbild zählen nicht.)
Und ehrlich waren sie obendrein: Denn es sind die einzigen Leute, die am Dienstag-Morgen nicht gelogen haben, als sie am Znüni-Tisch sagten, sie hätten die erste Bachelorette Folge nicht gesehen. Stichwort: Wasserdichtes Alibi.

Zu diesem Alibi trug massgeblich auch Trixie Withley bei, welche den Abend um Punkt 20 Uhr eröffnete. Nach einem ziemlich langen sphärischen Intro, das sogar in einem Binnenland Wale hätte anlocken können, gings dann doch richtig los. Trixie Withley’s Sound zu beschreiben ist relativ schwer. Vielleicht wäre es am ehesten Ambient-Hiphop mit Rock-Einflüssen.

© Tobias Marti

Sie schuf mit ihrem Drummer einen satten Klangteppich – ideal um auf dEUS einzustimmen.

Bevor dEUS auf die Bühne kam, stellte ich mir die Frage, ob wohl im Jahr 2039 auch Bands ihre CDs von 2019 nochmals live spielen werden? Oder ist man beim heutigen „Zeug“ meistens schon nach 2 Monaten froh, dass man es nie wieder hört? Wahrscheinlich gibt es noch ein anderes Problem: In 20 Jahren gibt’s wohl gar keine Geräte mehr, die all die Kack-Effekte von Drake und Co. überhaupt noch abspielen können. Also doch ein Grund, optimistisch in die Zukunft zu schauen.

Die kleine Abschweifung wurde dann durch die kreischenden Gitarren von dEUS am Anfang von „Put The Freaks Up Front“ unterbrochen. Die Zeitreise konnte beginnen.

© Tobias Marti

Der Saal füllte sich und ich war ehrlich gesagt froh, dass ein paar Leute zu kiffen begonnen haben. Im X-Tra ist ja vieles toll – die Lüftung gehört aber nicht dazu. Schon am Anfang lag eine Geruchsmischung aus Katzenfutter und eingetrocknetem Lollipop-Schweiss in der Luft. Ein Grund mehr, sich auf die anderen Sinne zu konzentrieren. Den Sound hatten wir bereits auf den Ohren, die Strahlkraft der Band (okay, und auch der Scheinwerfer) vor den Augen.
Einige Songs wurden sogar noch durch ein Tanz-Quintett (Bonz-intern dEUS-Zumba-Team genannt) begleitet.
Die ruckartigen Moves der Tänzer direkt neben oder hinter der Band waren echt beeindruckend. Ich habe mich aber gefragt, wie oft die Tänzer bei den Proben einen Gitarrenhals in die Fresse bekommen haben. So viel Platz war da nicht zum Herumhampeln auf der Bühne. Hat aber doch sehr gut geklappt.

© Tobias Marti

Diese Tanz- und andere Einlagen sorgten dafür, dass man doch immer wieder überrascht wurde, obwohl man ja genau wusste, welcher Song wann gespielt wird. Live ist halt doch anders als auf CD.

© Tobias Marti

Man wurde definitiv nicht enttäuscht von diesem Abend: gute Musiker, gute Stimmung, gute Leute. Bei der Zugabe gab es im Publikum dann doch noch ein paar Musikantenstadel-Klatschter – das waren dann wahrscheinlich auch die, welche die Bachelorette-Folge aufgenommen und nach dem Konzert noch nachgeschaut haben.

Märä

Stieg einst von den hohen Glarner Bergen herunter in die Häuserschluchten Zürichs, um sich todesmutig in die Konzert-Locations in der Umgebung zu stürzen. Was dabei alles so passiert, liest man jeweils hier auf Bonz.ch. Ausserdem hört man mich ab und zu beim besten Radiosender der Welt: toxic.fm!

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