The other side of everything – aktueller denn yeah?

Es ist schlichtweg einer der besten Filme der letzten Jahre: The Other Side Of Everything. Und gerade jetzt, wo die Europäische Union erste Auflösungserscheinungen zeigt, ist die Thematik dieses Meisterwerks aktueller denn je. Aber worum geht es? Es geht um Jugoslawien und die jüngere Geschichte Serbien und es ist eine sehr intime und empirische Dokumentation über  eine Zeitzeugin, welche bei der Auflösung von Jugoslavien, den Aufstieg und Fall von Slobodan Milošević miterlebte und diesen gar im Belgrader Untergrund bekämpfte. Srbijanka Turajlić ist Mathematik-Professorin und heute 90 Jahre alt. Sie und ihre Zeitgenossen erzählen die Geschichte aus lokaler Belgrader Sicht — aber natürlich jeder und jede mit eignen Worten und individueller Perspektive. Der Regisseurin Mila Turajlić ist ein Meisterwerk gelungen:

Nein, sie verstehe nicht, warum sie jetzt schon wieder einen Preis bekomme und überhaupt, die Freiheit für die sie gekämpft hat, sei gescheitert. Dies ist die Antwort der serbischen Mathematikprofessorin Turajlić als Reaktion auf die Auszeichung einer Preisverleihung. Einen Preis wofür? Vieleicht eben gerade einen Preis fürs kritische und reflektierte hinterfragen. ein Preis für den Kampf für die Freiheit für ein Land mit langer und stolzer Geschichte.

Die Erinnerungen sind manachmal etwas angestaubt und verwackelt, inetwa so, wie die in den Film hineingeschnittenen originalen Zeitdokumente. Und dennoch könnten diese Ereignisse, welche teilweise weit in der Vergangenheit liegen, kaum aktueller sein. Frisch poliert wie die Silberbecher in der Stube sozusagen. Es gibt einige sehr wichtige Erkenntnisse und Momente im Film, welche sich lohnen, darüber nachzudenken. Einereseits erinnert ein serbischer Intellektueller daran, dass die Gründung und Vereinigung von Jugoslavien damals keine einfache Sache war. Es bedarf enorm viel Aufwand und Kompromisse, damit dieses Konstrukt gebaut werden konnte. Rotierende Machtverhältnisse, Sonderregelungen für den Kosovo. Alls in allem ein grosser Aufwand, der in einer „Union“ mündete, welche fast hundert Jahre äusseren und innerem Druck stand hielt. Und es war auch nicht alles schlecht, dazumal unter Tito, wie einige der älteren Protagonisten immer wieder insistieren. Andererseits lässt sich gerade aus dem Zerfall Jugoslawiens viel erlernen. Nachdenkenswert ist insbesondere die die Aussage, dass man den Beginn der Kriege jeweils kaum bemerkt. Insbesondere der Beginn von Bürgerkriegen, so Srbijanka Turajlić.

Das alles Zusammengenommen verschafft doch eine sehr düstere Atmosphäre. Das Filmwerk ist in sich (ab)geschlossen und behandelt die Geschichte Serbiens und Belgrad. Gleichzeitig haben wir aber eine Europäische Union, welche im Begriff ist, auseinander zu brechen. Oder jedenfalls erste Symptome zeigt und sich in einer bemerkenswerten Krise befindet. Dazu kommt das Erstarken von Populisten; so wie einst Milosevic. Die Parallelen zu aktuellen Ereignissen sind nicht zu übersehen. Können wir aus den Geschehnissen von Belgrad lernen? Überziehen nun Bürgerkriege das europäische Land? Hoffen wir nicht. Die Geschichte wiederholt sich selten, aber sie gleicht sich halt doch erstaunlich oft.

Fazit:

Eine sehr eindrückliche Dokumentation, an manchen Stellen unglaublich spannend und vielschichtig, reflektierend, mit echten Zeitdokumenten und Ausschnitten von Nachrichtensendungen angereichert und eben: aktueller denn je. Und hier die gute Nachricht zuletzt: Jeder der Internet hat kann sich diese Doku ansehen, man braucht dazu kein Abo der gängigen Streaming-Anbieter.

Zu kaufen auf Vimeo on Demand für nur 8 CHF!

Wer wie so viele Leute mit den Bezahlmethoden von Netflix seine gute Mühe hat oder mit dem Angebot nicht mehr zufrieden ist: Es gibt mit Vimeo on Demand eine wahrhaftig gute Alternative. Jeder kann sich dort Filme für wenig Geld kaufen. Der Bezahlprozess funktioniert einwandfrei und die Filme werden innert Sekunden freigeschaltet. Den Film „The other Side of Everything“ gibt’s für nur 8 Franken zum Streamen und es lohnt sich und sei hier die allererste und beste Empfehlung für stürmische Tage!

Filmpreise:

Premiere am Toronto International Film Festival 2017
Gewinner IDFA Award, Beste „Feature Length Documentary“
Gewinner „Best Writing Creative Recognition Award of International Documentary Association“
Finalist am „LUX FILM PRIZE of the European Parliament“
Nominiert „Spotlight Award Cinema Eye Honors“
Nominiert „European Film Academy Award for Best Documentary“
.. und viele mehr.

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