Tiger King: Endlich eine Netflix-Serie mit Biss

Wäre diese Serie ein Blockbuster, würde er wohl kaum einen Oscar gewinnen. Zu unglaubwürdig kommt die Story rund um den „Tiger King“ daher. Doch „Grosskatzen und ihre Raubtiere“ ist kein Blockbuster, sondern eine reale Doku. Die seltsamen Typen in dem Netflix-Renner sind keine drittklassigen Schauspieler, sondern reale Personen, die fast exotischer wirken, als die wilden Tiere der Staffel.

Der wichtigste Part geht an Joseph Schreibvogel alias Joe Exotic. Mit seiner Vokuhila-Frisur, dem Pornobalken im Gesicht und denkwürdigen Tattoos scheint er den 1980er Jahren entsprungen zu sein. Meist trägt er eine Basecap und reichlich Schmuck. Seine Leidenschaft gilt wilden Tieren, insbesondere Grosskatzen aller Art. Sein vermeintlicher Traum ist ein riesiger Park in Oklahoma für alle seine vierbeinigen Lieblinge. Besonders artgerecht sind jedoch weder Haltung noch Fütterung der Katzen. Das gesamte Gelände gleicht eher einer überdimensionalen Rumpelkammer. Dennoch kann man dem eigentümlichen Parkbesitzer ein gewisses Charisma nicht absprechen. Er fasziniert die Besucher und schafft es immer wieder, Menschen um sich zu scharen, die für einen Hungerlohn bei ihm arbeiten. Zu seinen Tigern hat Joe Exotic ein ambivalentes Verhältnis. Mal kuschelt und spielt er mit den gefährlichen Raubkatzen. Er tobt mit ihnen durchs Gehege, fährt mit ihnen Auto und liegt mit ihnen gemeinsam auf dem Sofa. Auf der anderen Seite vernachlässigt er sie. Füttert sie mit abgelaufenem Fleisch aus dem Discounter (wovon übrigens auch seine schlecht bezahlten Mitarbeiter speisen). Gerüchten zufolge erschiesst er sogar einige Tiger, die dem niedlichen Streichel-Alter entwachsen sind.

Ärgste Feindin von Joe Exotic ist Carole Baskin, ihres Zeichens Tierschützerin, die sich die Befreiung der Riesenkatzen zur Lebensaufgabe gemacht hat. Meist tritt sie im Leo-Outfit auf, manchmal auch mit Wallekleidern und Blumenkranz. Ein wahrer Engel. Oder doch nicht? Joe ist fest davon überzeugt, dass die Tiger-Lady ihren millionenschweren Gatten getötet und an die Raubkatzen verfüttert hat. Ganz abwegig ist der Gedanke nicht, denn der Gute ist von jetzt auf gleich verschwunden.

Neben zwei drogensüchtigen Ehemännern (auch da hatte der „Tiger King“ seine Finger im Spiel) kreuzen viele weitere skurrile Typen den Weg von Joe Exotic. Freunde, Feinde und solche, die zu Feinden werden. Bis sich die Lage am Ende der Staffel dramatisch zuspitzt…

Wer faszinierende Tierbilder a la Grzimek erwartet, liegt mit „Grosskatzen und ihre Raubtiere“ daneben. Definitiv faszinierend ist jedoch die völlig absurde Welt rund um Joe Exotic. Eine Story, die verrückter ist, als jedes Drehbuch…

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