Henry Green – „Half Light“

Im Spannungsfeld von Christian Löffler, Bonobo oder Ry X veröffentlicht der Brite Henry Green fragile, elektronische Wunderwerke. Am 03. Juni erscheint mit „Half Light“ (dt. „Dämmerlicht“) sein zweites Album auf dem Londoner Kennerlabel Akira Records und verzaubert mit 9 intimen, elektronischen Songs für ruhige Stunden und Sehnsuchtsmomente.

Auf der Single „Idle“ unterstütz ihn dabei Labelkollegin Ghostly Kisses auf zwei weiteren Tracks ist außerdem Bonobo und Flying Lotus-Kollaborateurin Andreya Triana zu hören.

Für die Aufnahmen tauschte Henry Green seine Heimatstadt Bristol mit einem verschlafenen Dorf in Wiltshire ein, um Abstand zu gewinnen von 70 Millionen Spotify Streams und Schaffensdruck. Viel Freude beim Entdecken der vielseitigen Details:

Half Light – Dämmerlicht

„Call all the words out of me.” (aus „All“). Die ersten Worte, die Henry Green für sein zweites Studioalbum geschrieben hat, sind ein Flehen, hingeschmiert in der Verzweiflung einer akuten Schreibblockade. Heute ist die Zeile für den britischen Songwriter und Produzenten geschmackvoller elektronischer Musik deutlich positiv konnotiert, steht sie doch für den exakten Moment als seine Muse erwachte und den Weg für sein neues Album „Half Light“ („Dämmerlicht“) ebnete, das am 03.07. auf Akira Records erscheint.

Anfang 2019 tauschte Henry Green seine Heimatstadt Bristol mit einem verschlafenen Dorf in Wiltshire ein, um dort in seinem Dachbodenstudio sechs Monate an seinem neuen Album zu arbeiten. Rückblickend erklärt der 24-Jährige, dass die Entscheidung, alle Produktionsschritte selbst in die Hand nehmen zu wollen, einer der Stressfaktoren war, der zu seiner Schreibblockade führte. „Ich habe schon immer sehr viel Zeit in meine Produktionen gesteckt, aber teilweise dann auch einfach übertrieben. Wenn du so viel Zeit alleine verbringst und zwei sich gegenüberstehende Ansätze im Kopf hast, ist das ein konstanter Kampf. Dann gibt es aber noch diese Momente in denen du realisierst das Menschen tatsächlich deine Musik hören, die holen dich dann wieder zurück in die Realität.“

In gewisser Weise kann man nachvollziehen, dass Green von der Last der Erwartung eingeschüchtert wurde. Nach seinen erfolgreichen EPs „Slow“ (2015) und „Real“ (2017) sowie seinem Debütalbum „Shift“ (2018) verbuchte der Brite bereits 71 Millionen Streams auf Spotify und 18 Millionen Streams auf apple music auf sein Konto. Er erarbeitete sich den Respekt seiner Kolleg*innen, von London Grammer und Nick Mulvey, mit denen Henry gemeinsam auf Tour war, bis zu Remixern aus der jüngeren Vergangenheit, wie Cyril Hahn oder Harvey Causon. Mit „Half Light“ beweist er, dass sich ihr Vertrauen in ihn ausgezahlt hat. Es ist ein Album, auf dem Green die eingängliche Krise genutzt hat um Musik zu erschaffen, die gleichzeitig emotional ehrlich ist und neue Wege geht.

„Viele Songs handeln von der Schwierigkeit sich auszudrücken“, erklärt Henry Green. „Ursprünglich wollte ich ein Album über etwas machen, dass nichts mit mir zu tun hat und dass kein Fenster zu meinen Gefühlen öffnet. Aber dann wurden meine Gefühle für den Albumprozess von so elementarer Bedeutung, sodass ich wohl meine bisher persönlichsten Songs geschrieben habe.“

Während der Sound des Albums in der Regel eher intim ist und in oft ruhig und fragil anmutet, sind viele Arrangements auf „Half Light“ umfassender als je zuvor.

„Ich versuche stets Instrumenten etwas komplett Synthetisches entgegenzustellen. Mir gefällt die Idee im Herzen eines Songs immer einen Wiedererkennungswert zu haben, dann kann alles andere drum herum verändert oder manipuliert werden. Aber im Herzen eines jeden Songs muss etwas stehen, mit dem sich die Hörer*innen identifizieren können.“

Benannt nach dem japanischen Idiom, das die Ruhe vor einem bedeutsamen Moment beschreibt, steht der Song „Yoyuu“ mit seinen aufblühenden Streichern beispielhaft für die Weite von Greens ländlicher Umgebung. Die flirrenden Percussions und schimmernden Synth-Texturen der cinematischen Lead-Single „Realign“, erinnern an Christian Löffler oder Bonobo. Beide haben großen Einfluss auf Greens Produktion, gemeinsam mit den gesanglichen Vorbildern Ry X und Mike Milosh von Rhye.

Für „Tide“ bekommt Green Unterstützung von einer weiteren seiner Gesangsheldinnen, der Bonobo und Flying Lotus-Kollaborateurin Andreya Triana, während seine kanadische Labelkollegin Ghostly Kisses dem Song „Idle“ ihre Stimme leiht. Diese beiden Sängerinnen, mehrere Streicher und ein Saxofonist waren dann aber die einzigen externen Mitarbeiter auf „Half Light“, zusätzlich zum Mixing Engineer Tristan Hoogland (Flume, Hayden James).

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Idle. . #HalfLight @ghostlykisses

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Mit seiner gewöhnlichen Selbstironie sieht Green „Half Light“ als Dokument seines Lernprozesses, der letztlich auch die Auswahl des Titels beeinflusst hat. „Ich wollte quasi darauf hinweisen, dass das Album einen Übergang darstellt“, erklärt Henry. „Das Dämmerlicht spielte früh in den Lyrics zum Album eine Rolle. Ich liebe die Idee, dass man nicht komplett im Sonnenlicht steht. Du bist nicht du selbst und dein Geist ist halb im Dunkeln aber du weißt, dass du noch viel zu geben hast. Ich hoffe, dass die Hörer*innen fühlen, dass ‚Half Light‘ ein aufsässiges, herausforderndes Album sein soll.“

Mit „Realign“ veröffentlicht der britische Songwriter und Produzent Henry Green am 13.02. die erste Single von „Half Light“. Über den Song sagt Henry:

„In ‚Realign‘ geht es um Selbst-Erforschung und die Idee, dass man Klarheit auch oder gerade in den Momentan erreichen kann, wenn man seine Gedanken ziehen lässt und sich von der Voreingenommenheit, wie gewisse Sachen sein sollten, einfach distanziert. Ich wollte das der Song sich warm und euphorisch gleichzeitg aber auch einfühlsam und ehrlich anfühlt. Dieser Wunsch zwischen diesen beiden Stilen zu balancieren, inspirierte die Produktion des Songs.“

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Three days. H x

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