Netflix: Social Media macht süchtig

In der Reportage The Social Dilemma berichten ehemalige Unternehmer und Entwickler aus dem Silicon Valley von ihren Erfahrungen, die sie in großen Social Media Unternehmen gesammelt haben. Es werden unter anderem Einblicke in die Arbeit bei facebook, instagram, youtube und google gewährt während einzelne Themen anhand von Interviews und Filmsequenzen vertieft werden.

Insbesondere der manipulative Charakter der sozialen Medien wird immer wieder hervorgehoben und am Beispiel von Alltagssituationen verdeutlicht. Mit Schwerpunkt auf der Funktionsweise von facebook beschreiben die Unternehmer wie Algorithmen arbeiten und auf welche Datenbasis diese zurückgreifen können.

Entgegen der meist vorherrschenden Einschätzung, werde nicht nur Likes und Kommentare ausgewertet. Selbst die Dauer, mit der ein User sich Bilder ansieht wird als Teil der Datenmenge erhoben und für nicht absehbare Zeit gespeichert. Davon ausgehend hat facebook die Möglichkeit je nach Zielsetzung bestimmte Signale (Push- Nachrichten etc.) einzusetzen, die den User dazu bringen sollen öfter und länger auf der Plattform aktiv zu sein, seine Freunde einzuladen oder mehr Werbung zu konsumieren. Eine weitere Gefahr stellt die individuell angepasste Verlinkung von Informationsseiten dar. Jeder User erhält größtenteils Informationen, die seiner eigenen Meinung entsprechen. Dies führt zwangsläufig zu einer wachsenden Radikalisierung, deren Konsequenzen häufig gesellschaftliche Spaltung und Gewalt sind.

Obgleich die Reportage interessante Fakten aus erster Hand präsentiert, wirken die Beiträge im Gesamten doch sehr einseitig. Auch die stark emotionale Färbung durch die musikalische Unterlegung und die übertriebenen Darstellungen innerhalb der eingefügten Spielfilmsequenzen sorgen nicht gerade für eine Steigerung von Neutralität und Glaubwürdigkeit.

Dennoch ist das behandelte Thema ein überaus wichtiges. Wie schon in den Interviews gesagt wird, reicht es nicht aus, die manipulativen Mechanismen zu kennen. Das lässt sich schon an der Tatsache erkennen, dass einige der Entwickler selbst Suchtverhalten an sich beobachten konnten. Doch liegt die Annahme nah, dass diese Informationen eine Grundlage darstellen, auf derer basierend ein anderer Umgang mit Social Media eingeübt werden kann. Noch sinnvoller wären konkrete Ratschläge (zum Beispiel von einem Psychologen) gewesen, mit deren Hilfe das eigene Nutzungsverhalten reflektiert und positiv verändert werden kann. Wie es schon in The Social Dilemma proklamiert wird, sollten technische Anwendungen als eime Art Werkzeug genutzt werden, keinesfalls sollte der Nutzer zum Objekt degradiert werden. Doch wie genau dies gelingen kann, wird in der Reportage bestenfalls thematisch gestreift.

Netflix: The Social Dilemma Trailer

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