Netflix-Serie: Die Besatzung

In der norwegischen Thriller-Serie von Erik Skjoldbjærg und Jo Nesbø sehen wir eine fiktive, aber nicht gänzlich utopische Zukunft. Die Netflix Serie „Occupied – Die Besatzung“, die im norwegischen Original „Okkupert“ heisst, erzählt die Geschichte des norwegischen Ministerpräsidenten, der eine, in seinen Augen, längst überfällige Energiewende vorantreibt. Seine Mittel sind drastisch – jegliche Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen wird eingestellt, womit Norwegen den europäischen Alleingang beschreitet. Die restlichen Länder Europas können und wollen diesen Weg nicht mitgehen und formen lieber eine Allianz mit dem fernen Russland.

Als der Ministerpräsident dann entführt wird und das Land vor dem Ultimatum steht: Entweder zu den fossilen Brennstoffen zurückkehren oder die vollen Konsequenzen zu tragen, die eine russische Invasion nicht ausschliessen, scheint die Lage zu eskalieren. Allein gelassen mit ihren Ängsten, gehen die Menschen auf die Strasse, um sich Gehör zu verschaffen. Die Regierung arbeitet nicht nur an den eigenen Leuten vorbei, sondern wird zunehmend unfähiger, das Chaos unter Kontrolle zu bekommen.
Durch die Serie erhält der Zuschauer einen Einblick in viele Aspekte einer Gesellschaft: Klimawandel, politische Machenschaften, Unterdrückung, Widerstand, Krieg und schlussendlich die Würde des Menschen.

Die Serie, die in Norwegen 2015 erstausgestrahlt wurde, war auch für deutsche Zuschauer schon damals zu sehen. Im November 2015 zeigte der deutsch-französische Kultursender ARTE das Drama bereits. Der bekannte Autor Jo Nesbø lieferte die Idee für Occupied. Der Regisseur Erik Skjoldbjærg, am bekanntesten durch den Film „Todesschlaf“, verfilmte die Idee und kreierte einen ziemlich atemlosen Thriller.

Der Regisseur sagt über die Serie, dass er aufzeigen wollte, was es mit einer Gesellschaft macht, wenn die demokratischen Strukturen stückweise verloren gehen. Das ist ihm zweifellos gelungen, denn als Zuschauer bangt man tatsächlich um die Protagonisten, die nach und nach nicht nur Haus und Hof, sondern auch ihre Lieben verlieren. Bei allem Lob, muss eines kritisiert werden. An manchen Stellen wirken die Entwicklungen sehr kreiert und sind nicht immer ganz nachvollziehbar. Andere Verhaltensmuster werden geradezu plump vereinfacht dargestellt. Hier hätte es der Serie gutgetan, noch mehr Drehbuchautoren an Bord zu holen, die manche Handlungsstränge vielschichtiger miteinander hätten verknüpfen können. Insgesamt bleibt es aber eine fantastische Grundidee, die in dieser Serie viele Zuschauer begeistern wird.

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