Netflix und die Formel 1: Drive to survive!

Drive tu survive, das ist der Name der Netflix-Serie, auf deren jährliche neue Staffel nicht nur eingefleischte Formel-1-Fans mit Sehnsucht warten. Sie schafft es immer wieder, neue Facetten der abgelaufenen Saison zu zeigen und auch das nicht motorsportaffine Publikum anzusprechen. Der Schlüssel des Erfolgs liegt in der Verdichtung und der Zuspitzung. In vermeintlich langweiligen Grands Prix werden Duelle rivalisierter Fahrer oder Teams in den Vordergrund gerückt – zum Teil aber auch deutlich überzeichnet. Das bringt den Machern aber auch Kritik ein. Vor allem Hardcore-Fans stören sich an der Produktionsart.

Netflix-Serie: Formel 1 – Season 4 Trailer

Während sich Formel-1-Neulinge bestens unterhalten fühlen, bemängeln Enthusiasten in vielen Szenen den fehlenden Bezug zur Realität. Denn zum Teil werden Szenen aus unterschiedlichen Rennen miteinander kombiniert. So spielen die Regisseure den Zuschauern falsche Tatsachen vor. Manchmal kann dies sogar als gezielte Manipulation gesehen werden, da bewusst Ausschnitte so aneinander montiert werden, dass sie einen Konflikt verschärfen.

Zuschauer sollten Verständnis für Netflix haben

Ein Beispiel gefälligst? Sebastian Vettel funkte 2019 beim Grossen Preis von Brasilien nach einer Kollision mit seinem Ferrari-Teamkollegen den legendären Spruch:

„Mein Gott, muss das sein. So ein Bockmist aber auch.“

Die Cutter von Drive to survive unterlegten hingegen eine Szene beim Österreich Grand Prix des folgenden Jahres mit diesem Ton.

Die Dramatisierung ist sicherlich auch in manchen Punkten erforderlich. Während der Drehbuchautor einer fiktionalen Serie das Geschehen so anpassen kann, dass es spannend, emotional und mitreißend ist, müssen die Verantwortlichen von Netflix wie bei einer Skulptur das Originalmaterial so lange abtragen, bis es das gewünschte Ziel erfüllt.

Netflix erhält exklusive Einblicke

Doch das ist nicht alles, was die Serie ausmacht. Bei einem klassischen TV-Format würde man von einem Quotengaranten sprechen. Im Internet beschert sie Netflix zahlreiche Klicks und sicherlich auch das ein oder andere zusätzliche Abo. Denn es sind die Details, die viele Herzen höher schlagen lassen. So befasst sich die dritte Staffel unter anderem damit, wie Mick Schumacher zu seinem Formel-1-Debüt gelangt ist und welche Rolle dabei ein deutscher Grosssponsor spielte. Die Zuschauer sind aber auch hautnah dabei, wenn Teamchefs ihren Piloten schlechte Nachrichten wie ein Vertragsende verkünden.

Das ist ein wesentlicher Vorteil, den Netflix gegenüber den übertragenden Fernsehstationen hat. Durch den exklusiven Rechtedeal hat der Streamingdienst einen besonderen Zugang zu Fahrern und Teams. Während andere ihre Rechte einkaufen, um journalistisch über die Events zu berichten, verfolgt Netflix das Ziel, das Produkt, dessen sportlicher Ausgang bereits bekannt ist, in eine neue Form zu giessen.

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