Hightech fürs Hüsli: Toiletten nach japanischem Vorbild immer populärer

Geschäft verrichten, mit Papier abwischen, Spülung betätigen – ein einfacher Vorgang, den man hierzulande schon als Kind lernt. Und fast überall, wo es WCs gibt, läuft es genauso oder ähnlich ab. Nicht so in Japan. Wer als Tourist dorthin kommt, ist mit dem Besuch auf dem Oertli oft erst einmal überfordert. Denn japanische Toiletten besitzen häufig Bedienelemente mit zahlreichen Tasten und massenhaft Funktionen. Aus europäischer Sicht sind viele davon unnötig – aber einige erscheinen durchaus komfortabel. Uns so zieht auch hierzulande immer mehr Hightech ins Hüsli ein.

Das japanische WC-Wunderwerk

Japan gilt als technikaffines Land. Kein Wunder also, dass hier auch die WCs schon immer etwas ausgefeilter waren als anderswo. Schon in den 1980er Jahren verbreiteten sich in Japan Dusch-WCs oder auch „Washlets“, also Klos mit eingebauter Bidet-Vorrichtung. Sie wurden um immer mehr Funktionen erweitert. Features wie Heizung oder auch Kühlung für den WC-Sitz oder Massagefunktionen kamen hinzu. Der Deckel öffnet und schliesst sich automatisch. Und auch die schambehafteten Nebenerscheinungen des Toilettenbesuchs kaschiert man in Japan gern. Gerüche werden abgesaugt oder neutralisiert und durch einen wohlriechenden Duft nach Wunsch ersetzt. Und da auch die Geräusche „beim Geschäft“ vielen Japanern unangenehm waren, kommt auf Tastendruck ein Spülgeräusch oder Musik aus dem Lautsprecher. Ein integriertes Handwaschbecken, das das gebrauchte Wasser anschliessend noch zum Abspülen wiederverwendet, gehört ebenfalls zu den meisten japanischen Toiletten. Die neueste Innovation der Toilettentechnik in Japan: der integrierte Gesundheitscheck durch Urinanalyse.

Angesichts der Verwirrung vieler ausländischer Besucher hat sich die Toiletten-Industrie in Japan mittlerweile übrigens auf einheitliche Symbole für die Bedienelemente ihrer WCs verständigt. Sie sollen den Umgang mit dem WC für Nicht-Japaner erleichtern.

Duschen statt wischen macht Sinn

Hierzulande sorgen japanische Hightech-Toiletten mitunter für ein Schmunzeln. Aber manche Features sind durchaus sinnvoll und finden auch bei uns immer mehr Anklang. Das gilt vor allem für die integrierte Reinigung mit Wasser.

Das Bidet kennt man zu diesem Zweck auch in Europa vielerorts. Als separater Sitz nur für die Reinigung ist es allerdings etwas umständlich und nicht gerade platzsparend. Beim Washlet nach japanischem Vorbild ist die Wasserdüse ins WC integriert. Intensität und Temperatur des Wasserstrahls können dabei reguliert werden.
Und genau das finden immer mehr Schweizer durchaus komfortabel und entscheiden sich für entsprechende WC-Modelle, die es mittlerweile auf dem heimischen Markt gibt. Auch aus gesundheitlicher und ökologischer Sicht machen Dusch-WCs dabei durchaus Sinn. Sie reinigen schonender und gründlicher als Toilettenpapier, das dabei gleichzeitig eingespart werden kann.

Spülen per Smartphone auch in der Schweiz

An das Dusch-WC dürfen wir uns also auch hierzulande ruhig gewöhnen. Die Gefahr, dass der Besuch auf dem Oertli damit zur technischen Herausforderung wird, besteht aber wohl vorerst nicht. Denn ganz so ausgefallen wie in Japan sind die Funktionen der Washlets für den heimischen Markt nicht. Hier geht es vor allem um Hygiene und Komfort durch die Reinigung mit Wasser. Parfümierung, Geräuschkulisse oder gar Urinanalyse sind für hiesige Verbraucher offenbar weniger von Interesse – zumindest bislang. Technik-Begeisterte kommen trotzdem auch hier beim WC-Besuch auf ihre Kosten, wenn sie das wünschen. Eine Steuerung per Smartphone-App inklusive Speicherung verschiedener Nutzerprofile gibt es nämlich für einige Modelle.

Christian Mäder

BITLAKE | Content Distribution

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