Gipsy-Folk aus Barcelona, Tessin: 1,2,3,4, scheisse lalalalalei!


Gipsy Folk aus Barcelona Bellinzona: Die grandiose Live-Band: IN THE DEAD CAR. Am 8. September durfte ich eines der absolut besten Konzerte dieses Jahres erleben: In The Dead Car. Und zwar live. Also ehrlich gesagt – es war Liebe auf den ersten Ton, am disjährigen OpenAir Greifensee. Dort hörte ich, dass diese symphatischen Tessiner gleich bei mir um die Ecke nochmals einen Gig hinlegen, und zwar im La Catrina. Da fuhr ich umgehend hin. Eine Station mit dem 32er Bus um genauer zu sein. Eine weise Entscheidung: Mal tönt ihr Sound nach Tessiner Calzone, dann wieder nach Country. Aber meistens ist es lebendiger Gipsy-Folk aus der Rumpelkiste. Und was für eine Kiste: Voll von Energie und Leidenschaft die seinesgleichen sucht. Ehrlich gesagt, mal ein Konzert, wo der Schlagzeuger äh sorry, in diesem Falle die Schlagzeugerin, nicht pennt, sondern die Beats locker aus dem Handgelenk schüttelt. Und ein Handörgeli-Mann, wo die Alpöis vor Staunen die Pfeifen verschlucken. Einfach gesagt, „In The Dead Car“ reduzieren die Voksmusik – von welchem Land auch immer – nicht ’nur‘ auf ihre Grundrechte, sondern sie verschaffen dem Konventionellen die Flügel des Jazzes. Sozusagen Blue Notes für den 4/4-Takt. Und dann schweifen sie aus; weit hinaus gen Osten. Irgendwann landen sie so ungefähr Richtung Polka. Dabei hat jede Note rsp. jeder Ton ein Gedächtnis, ja Hautfarbe. Einge bleiben aufgrund eines Kulturschockes in irgend einer Flöte stecken, andere kleben am Folk wie die Kommerzfeministin Madanna an Gogol Bordello. Und dann gibt es diese speziellen Momente. Die Momente, wo man Django Rheinhard begegnet. Und wer den Zugang zu Django Rheinhard gefunden hat, der weiss, dass Töne keine Hautfarbe haben. Dass wir ALLE Zigeuner sind. Bastarde. Flüchtlinge. Und dass gute Musik einfach verdammt gute Musik ist und bleibt und zeitlos ist und auch nicht irgendeiner Epoche zugeordnet werden kann. Es gibt keine Ordnung, es gibt nur das (zusammen) Leben.

Nach dem Konzert, im Taumel und kollektiven Tohuwabohu, spielte irgendjemand solange mit dem Megaphon rsp. der bandeigenen Polizeisirene rum, bis Letztgenannte dann tatsächlich an die Scheiben des La Catrinas klopften. Schlussendlich diskutierten 3 Gesetzeshüter solange mit dem Barchef, bis sie von einem Gast ein Bier offeriert bekamen. Was die fleissigen Cowboys aus dem Chreis Cheib natürlich ablehnen mussten. Um was es genau ging – ich kann mich nicht mehr erinnern. Nur noch an das legendäre Konzert.
Ãœbrigens: die Band verfasste über dieses Konzert eine Mini-Doku. Und was ich noch weiss: der charismatischen Bandleader schenkte mir nach dem Konzert die neue CD. DAS das nenn‘ ich einen gelungen Abend. Die Scheibe könnt‘ ich ja hier verlosen – aber ehrlich gesagt – nein. Das wertvolle Stück kommt mit mir mit. Die besagte Scheibe wird noch einige Runden drehen: von schummrigen Mietautos bis hin zu meinen zukünftigen iPods und v.a. gerade jetzt, in diesem fucking Moment. Und ich zähl die Runden mit. 1, 2, 3, 4, Scheisse lalalalalei!

Dead Car spielen am 30. November übrigens nochmals in Zürich, im Stall 6.
Und hier weitere Infos:
Bandwebsite, diverse Songs gibt’s auf >>>MySpace.
und zu guter Letzt, die Facebook-Page.
.. gerne würde ich hier ein besseres Youtube Video präsentieren, leider finde ich lediglich dieses hier. Einerseits ist es von der Qualität her nicht gerade Hollywood, aber andernseits wiederspiegelt dieser Clip ansatzweise die Energie des Live-Moments von In The Dead Car. Und falls der zweite Teil des Dokus über das Konzert im La Catrina jemals erscheinen sollte, dann findet ihr diesen garantiert als erstes auf BONZ.CH.

Weitere Clips:
In the dead Car – 2010
Birds Song – In the dead Car
Cinema – In the dead Car
I’m a Werewolf – In the dead Car
In the dead Car at a restaurant

Christian Mäder

BITLAKE | Content Distribution

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