Die glänzenden Bürotürme füllen sich morgens mit Anzugträgern, die scheinbar Wichtiges zu erledigen haben. Doch hinter den Fassaden großer Konzerne herrscht zunehmend Leere. Viele Jobs bestehen aus endlosen Meetings, PowerPoint-Präsentationen, die niemand liest, und Strategien für Strategien. Selbst die, die darin arbeiten, geben zu: Ihre Aufgaben fühlen sich oft wie Theaterstücke an, sorgfältig einstudiert, aber ohne echten Inhalt.
Der Anthropologe David Graeber nannte solche Tätigkeiten „Bullshit Jobs“. Heute haben sie sich zu einem ganzen Ökosystem gegenseitiger Sinnlosigkeit entwickelt, in dem Analysten, Manager und Berater Rollen spielen, die keiner wirklich braucht – und doch erhält jeder das Spiel am Laufen, weil Gehälter und Hypotheken davon abhängen.
Die Pandemie machte sichtbar, was viele längst ahnten: Zahlreiche „Vollzeit-Jobs“ schrumpften im Homeoffice auf wenige Stunden zusammen, während manche Aufgaben schlicht verschwanden, sobald niemand mehr in Präsenz dafür posierte. Seitdem ist das Bewusstsein gewachsen, dass vieles nur noch Schein ist – und trotzdem wird weitergespielt.
Gleichzeitig entsteht ein paralleles System. Junge Entwickler, Berater oder Marketingkräfte nutzen die Sicherheit des Konzernjobs als Sprungbrett, um daneben eigene Projekte aufzubauen. Das Gehalt wird zur Finanzierung echter Arbeit, die Firmenlaptop und Arbeitszeit zur Ressource für das, was wirklich zählt. Statt loyal an die Karriereleiter zu glauben, verwandeln sie den Konzernjob in ein Mittel zum Zweck.
Was stirbt, ist also weniger die Unternehmensstruktur als der Glaube an sie. So wie Religion in manchen Teilen der Welt nicht verschwand, sondern schlicht an Bedeutung verlor, verlieren auch Konzernjobs ihre Aura. Die Gebäude stehen, die E-Mails fließen, aber die Überzeugung, dass all das sinnvoll sei, verdampft.
Diese Entwicklung ist keine Krise, sondern eine Befreiung. Denn wer die Unternehmensrolle nicht mehr als Identität begreift, kann sie als Infrastruktur nutzen – um Fähigkeiten zu sammeln, Ideen zu finanzieren oder Zeit für das aufzubauen, was wirklich zählt.
Das Zeitalter des großen Konzernjobs geht zu Ende. An seine Stelle tritt eine neue Arbeitsrealität: pragmatisch, kreativ, nebenläufig – und vielleicht ehrlicher als je zuvor.






