Der Züriputsch von 1839: Ein konservativer Aufstand im Herzen der Schweiz

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Schweiz politisch zerrissen. Konservative und Liberale standen sich unversöhnlich gegenüber, und der Streit um die Zukunft der Eidgenossenschaft entlud sich in zahlreichen politischen Krisen. Die Epoche der Regeneration von 1830 bis 1847 brachte einerseits tiefgreifende Reformen, andererseits aber auch gewaltsame Gegenreaktionen hervor. Ein markantes Beispiel dafür ist der Züriputsch von 1839, der die Spannungen seiner Zeit in aller Schärfe offenlegte.

Video von der Zeitdgenosse: Der Züriputsch [1839]

 

Auslöser des Aufstands war die Berufung des umstrittenen Theologen David Friedrich Strauß an die Universität Zürich. Strauß, der durch sein Werk „Das Leben Jesu“ weithin bekannt war, hatte die traditionelle christliche Glaubensauffassung radikal in Frage gestellt und damit vor allem in ländlich-konservativen Kreisen Zürichs heftige Empörung ausgelöst. Als die Regierung am Entschluss festhielt, Strauß an die theologische Fakultät zu berufen, organisierten konservative Landgemeinden den Widerstand.

Am 6. September 1839 marschierten rund 2.500 Bewaffnete aus den ländlichen Regionen in die Stadt Zürich. Ihr Ziel war der Sturz der liberalen Regierung. Im sogenannten „Züriputsch“ gelang es ihnen tatsächlich, die Regierung zu vertreiben und die Macht für kurze Zeit an sich zu reißen. An der Spitze dieses Aufstandes standen konservative Anführer, die sich als Verteidiger von Religion und Tradition sahen.

Doch der Erfolg war nicht von Dauer. Schon nach wenigen Monaten konnte sich die liberale Partei wieder festigen. Mit Unterstützung von Nachbarkantonen wurde die alte Ordnung wiederhergestellt, und die Konservativen mussten den Rückzug antreten. Der Züriputsch blieb somit Episode und Warnsignal zugleich: Er zeigte, wie tief die Spaltung im Land verlief, und dass Gewalt in den politischen Auseinandersetzungen jederzeit eine Rolle spielen konnte.

Historisch betrachtet markierte der Züriputsch einen Wendepunkt. Zwar scheiterte der konservative Versuch, die Liberalen dauerhaft zu verdrängen, doch die Ereignisse verdeutlichten die brüchige Stabilität der Eidgenossenschaft. Sie waren ein Vorbote des Sonderbundskrieges von 1847, in dem die Gegensätze zwischen konservativen und liberalen Kräften endgültig in einem militärischen Konflikt eskalierten.

So bleibt der Züriputsch von 1839 nicht nur eine Episode Zürcher Geschichte, sondern ein Schlüsselereignis der schweizerischen Regenerationszeit – Ausdruck einer Gesellschaft, die zwischen Tradition und Fortschritt hin- und hergerissen war.

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