Im Schatten der Fussbal-WM: Das Gold wandert von Europa nach Asien!

Grosse Internationale Ereignisse wie die Fussball-WM oder Olympia werden oft genutzt, um im Schatten der Aufmerksamkeit Wichtiges zu vollbringen. Insbesondere Unternehmen nutzen diese Zeiten, um beispielsweise schlechte PR loszuwerden; es schaut ja niemand genau hin. Aber auch politische oder geopolitische Ereignisse werden oft auf exakt diese Tage geplant. Aktuell geschieht gerade etwas, was die Schweiz oder den ehemaligen Finanzplatz Schweiz interessieren könnte oder sollte: In Asien entsteht ein alternativer Handelsplatz und Clearingstelle für Gold. Bis anhin wurde 70 % des internationalen OTC-Goldhandels über London abgerechnet. Ab dem 7. Juli gibt es eine Alternative: Hong Kong.

Bedeutende globale Handelszentren
Gold: Bedeutende globale Handelszentren

Die LBMA/London Bullion Market Association ist extrem mächtig im Goldmarkt, aber sie ist keine klassische Börse, sondern eher das Zentrum der globalen OTC-Infrastruktur (Over-the-Counter).

🇬🇧 Wie mächtig ist die LBMA wirklich?

Die LBMA ist weniger ein „Akteur“, der selbst handelt, sondern eher das Regelwerk + Netzwerk + Standardsetzer des weltweiten physischen Goldhandels.

Die eigentliche Macht liegt im sogenannten Loco London System:

  • Über London wird der Großteil des globalen Großhandels-Goldes abgewickelt
  • Täglich werden im Schnitt rund 20+ Millionen Unzen Gold über das System „gecleart“
  • Das entspricht grob zig Milliarden USD pro Tag an Transferwerten

👉 Wichtig: Das ist nicht nur „physisches Verschieben von Barren“, sondern vor allem:

  • Buchgeldartige Goldforderungen (unallocated accounts)
  • Netting zwischen Banken (HSBC, JPMorgan, UBS, ICBC Standard Bank)

🧾 Ist die LBMA ein Clearing House?

Ja – aber indirekt und verteilt.

Die Struktur ist entscheidend:

  • Die LBMA selbst ist kein zentraler Clearing-Knoten wie eine Börse
  • Das Clearing passiert über:
    👉 LPMCL (London Precious Metals Clearing Limited)

Das ist faktisch das „Backend-System“:

  • Netting von Gold-Salden zwischen den großen Bullion-Banken
  • Settlement über unallocated Goldkonten
  • Zentralisiert in London, aber bank-getrieben statt staatlich

👉 Deshalb sagen viele Analysten:

London ist kein klassischer Markt – es ist ein bankdominiertes Buchungssystem für Gold

🇨🇳 Was plant China / Hongkong mit dem Gold-Clearing?

Hongkong baut ab Juli 2026 ein eigenes System auf:

  • staatlich kontrolliertes Gold-Clearing-System
  • ebenfalls mit unallocated accounts (wie London)
  • Ziel: Alternative zu London schaffen

Wichtig:

  • Kooperation mit Shanghai Gold Exchange
  • Beteiligung internationaler Banken + zentralbanknaher Akteure
  • strategisch klar: Asien will Preis- und Abwicklungsmacht zurückholen

⚖️ Wird China dadurch „mächtiger“ als London?

Kurz: nicht sofort – aber strukturell ja, langfristig möglich.

London (LBMA)

Stärken:

  • 150+ Jahre Marktvertrauen
  • tiefste Liquidität weltweit
  • dominanter „Benchmark“-Preis für Gold
  • zentrale Rolle in ETF-, Zentralbank- und OTC-Flows

Schwächen:

  • stark bankzentriert (wenige große Player)
  • intransparent (unallocated exposure)
  • geopolitisch westlich dominiert

Hongkong / China-System

Stärken:

  • physische Nachfragezentrum (China ist größter Goldkonsument)
  • staatliche Rückendeckung
  • Integration mit Shanghai + Belt & Road
  • Aufbau von alternativer Preis- und Settlement-Infrastruktur

Schwächen:

  • Vertrauen muss erst entstehen
  • Liquidität anfangs geringer
  • Konkurrenz zu etabliertem London-System

🌍 Geopolitische Einordnung

👉 Wir sehen keinen „Austausch“, sondern eine Dualisierung des Goldsystems

Früher:

  • London + New York = Preisbildung + Settlement

Zukunft:

  • London = westliches Kernsystem
  • Hongkong/Shanghai = asiatisches Parallel-System

🧠 Was bedeutet das strategisch?

1. Machtverschiebung über Infrastruktur

Wer das Clearing kontrolliert, kontrolliert:

  • Liquidität
  • Lieferbarkeit
  • Vertrauen
  • indirekt auch Preisbildung

2. China versucht nicht nur zu handeln – sondern zu „clearen“

Das ist entscheidend:

  • Handel = Kaufen/Verkaufen
  • Clearing = „wer schuldet wem echtes Gold“

👉 Clearing ist die tiefere Machtstufe.

3. Wahrscheinliches Szenario

  • Kein sofortiger Bruch mit LBMA
  • aber:
    • mehr regionale Preisbildung in Asien
    • höhere Goldprämien im Osten
    • langfristig weniger „westliche Monopolstellung“

🧩 Fazit

  • Die LBMA ist das zentrale Rückgrat des globalen Goldsystems, aber nicht ein klassisches Clearing House, sondern ein bankdominiertes OTC-Netzwerk über LPMCL.
  • London dominiert heute noch klar Liquidität und Preisbildung.
  • China baut mit Hongkong ein Parallel-Clearing-System, das gezielt diese Struktur kopiert.
  • Geopolitisch ist das kein Detail, sondern ein Teil des größeren Trends:
    👉 Finanzinfrastruktur wird multipolar (West vs. Asien)

 

Quellen:

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