Laos’ riskanter Plan: Mit Bitcoin-Mining die Milliarden-Schulden der Staudämme tilgen

Laos träumt seit Jahrzehnten davon, die „Batterie Südostasiens“ zu werden. Mit gewaltigen Staudammprojekten entlang des Mekong und seiner Nebenflüsse hat das kleine Binnenland inzwischen mehr Strom als es verbrauchen oder exportieren kann. Doch anstatt auf steigende Stromexporte zu hoffen, setzt die Regierung nun auf eine radikale Idee: Überschüssige Energie soll in Bitcoin-Mining fließen – und so die milliardenschweren Kredite für die Staudämme refinanzieren.

Der wirtschaftliche Hintergrund ist brisant. Ein Großteil der Investitionen in die Dämme wurde über chinesische Kredite und Joint Ventures mit ausländischen Energiekonzernen gestemmt. Die Einnahmen aus dem Stromexport, der bereits 26 Prozent der laotischen Exporte ausmacht, reichen jedoch nicht aus, um die Schuldenlast zu tilgen. Hinzu kommt, dass viele Kraftwerke saisonal arbeiten: In der Regenzeit produziert Laos zu viel Strom, den es nicht absetzen kann, während in der Trockenzeit Strom teuer aus Thailand zurückgekauft werden muss.

Bitcoin-Mining erscheint da als logische Option. Mining-Farmen können flexibel betrieben werden, benötigen keine zusätzliche Infrastruktur für Stromexporte und verwandeln Energie direkt in digitale Vermögenswerte. In offiziellen Berichten ist bereits von „digital asset mining“ als langfristiger Wirtschaftsstrategie die Rede. Erste lokale Börsen und Mining-Lizenzen wurden vergeben, um den Markt zu regulieren und Steuereinnahmen zu sichern.

Doch die Entscheidung hat eine zweite Seite. Umweltorganisationen kritisieren seit Jahren, dass die Staudamm-Politik ganze Ökosysteme zerstört, Fischbestände vernichtet und tausende Menschen umgesiedelt hat. Dass die überschüssige Energie nun in Bitcoin-Mining fließen soll, anstatt in nachhaltigere Industrien, sehen viele Beobachter als Symptom einer fehlgeleiteten Energiepolitik.

Gleichzeitig zeigt das Beispiel Laos, wie eng Bitcoin-Mining und globale Energiemärkte zusammenhängen. Länder mit Energieüberschüssen – sei es durch Wasserkraft, Öl oder Gas – greifen zunehmend auf Mining zurück, um ansonsten „gestrandete“ Energie wirtschaftlich nutzbar zu machen. Für Laos könnte dies der Weg aus der Schuldenfalle sein, oder aber ein weiteres riskantes Experiment in einer ohnehin fragilen Volkswirtschaft.

Eines ist sicher: Wer in Zukunft über die geopolitische Rolle von Bitcoin spricht, wird auch über Laos reden müssen – ein Land, das seine Staudämme nicht mit Stromexporten, sondern mit digital geschürften Bitcoins bezahlen will.

 

Quellen:

 

Doku über ein chinesisches Megaprojekt im Himalaya:

 

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