Während der Blick der Weltöffentlichkeit oft auf die Ukraine oder den Nahen Osten gerichtet ist, vollzieht sich in Ostasien eine radikale geopolitische Verschiebung. Unter dem wachsenden Druck Chinas schmieden die ehemaligen Erzfeinde Japan und Südkorea eine fragile Allianz und suchen den engen Schulterschluss mit den USA. Die ARTE-Dokumentation „Allianz gegen China“ beleuchtet die gefährliche Aufrüstungsspirale in einer Region, die sowohl militärisch als auch wirtschaftlich eine Schlüsselrolle für den gesamten Planeten spielt.
Arte Doku: Allianz gegen China
1. Japan: Abkehr vom Pazifismus
Lange Zeit war Japan durch seine Verfassung streng dem Pazifismus verpflichtet. Doch die Bedrohungslage hat sich massiv verschärft. Allein im Jahr 2023 gab es fast 500 Einsätze japanischer Abfangjäger im Zusammenhang mit chinesischen Flugbewegungen [04:20]. Auf Inseln wie Okinerabujima bereiten sich Soldaten heute ganz konkret auf den Ernstfall vor – die Verteidigung gegen eine mögliche Invasion [02:43]. Japan plant, seine Militärausgaben massiv zu erhöhen, um Peking zu signalisieren, dass man im Falle eines Konflikts um Taiwan oder im Südchinesischen Meer handlungsfähig wäre [07:00].
2. Südkorea: Zwischen Tradition und Hochtechnologie
Südkorea steht vor einer doppelten Herausforderung: der permanenten nuklearen Bedrohung durch Nordkorea und dem wirtschaftlichen Spagat zwischen den Supermächten China und USA.
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Wirtschaftsmacht: Das Land hat sich zu einem der Top 10 Rüstungsexporteure weltweit entwickelt und produziert eigene Kampfpanzer und Jets [17:14].
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Historische Lasten: Die Zusammenarbeit mit Japan ist innenpolitisch hochsensibel. Die Gräueltaten der japanischen Kolonialzeit (1910–1945), insbesondere das Schicksal der „Trostfrauen“, sind in der älteren Generation unvergessen [14:14]. Dennoch drängen die USA massiv auf eine trilaterale Kooperation [18:07].
3. Taiwan und der „Silicon Shield“
Taiwan gilt als das gefährlichste Pulverfass der Welt. Peking betont regelmäßig, die Insel notfalls mit Gewalt „heimzuholen“ [22:27]. Taiwans wichtigste Lebensversicherung ist seine Rolle als globaler Marktführer in der Chipherstellung. Dieser sogenannte „Silicon Shield“ sorgt dafür, dass ein Angriff auf Taiwan die gesamte Weltwirtschaft – inklusive Chinas – in eine katastrophale Krise stürzen würde [25:09].
4. Die wirtschaftliche Schlagader: Der Hafen von Busan
Die Bedeutung der Region wird am Hafen von Busan (Südkorea) deutlich, dem siebtgrößten Containerhafen der Welt [28:43]. Hier werden Waren aus Nordchina und Japan für den Weltmarkt umgeschlagen. Experten warnen: Ein militärischer Konflikt oder auch nur eine Blockade Taiwans würde zwischen 30 % und 50 % des Welthandels unterbrechen [28:03].
5. Die Angst der Anwohner
Abseits der großen Geopolitik wächst die Sorge der Menschen auf den betroffenen Inseln. Auf Okinawa, dem wichtigsten US-Stützpunkt in Ostasien, empfinden viele Einwohner die massive Militärpräsenz nicht als Schutz, sondern als Magnet für Angriffe [46:51]. Bewohner kleinerer Inseln wie Tokunoshima fürchten, dass die zunehmenden Militärübungen ihr friedliches Leben zerstören und sie im Ernstfall nicht wirklich geschützt werden können [51:02].
Fazit
Die Dokumentation macht deutlich: In Ostasien entsteht eine neue „Achse der Demokratien“, die versucht, Chinas Machtstreben durch Abschreckung zu begrenzen. Doch das Vertrauen in diese Allianz ist brüchig – einerseits belastet durch die Geschichte, andererseits durch die Ungewissheit über die künftige Verlässlichkeit der USA unter einer neuen Trump-Administration [46:02].
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