Wer heute nach einem Produkt, einer Dienstleistung oder einer Marke sucht, klickt nicht mehr zwingend auf Google und arbeitet sich durch zehn blaue Links. Immer häufiger lautet die Frage direkt an eine KI: „Welche Anbieter sind empfehlenswert?“, „Welche Schweizer Marken gibt es in diesem Bereich?“ oder „Welche Software eignet sich für ein kleines Unternehmen?“
Damit verändert sich auch die Aufgabe von Suchmaschinenoptimierung. Eine Marke muss nicht mehr nur bei Google auf Position eins stehen. Sie muss auch für Systeme wie ChatGPT, Google AI Overviews, Perplexity oder Microsoft Copilot auffindbar, verständlich und relevant sein.
Das neue Ziel lautet deshalb: Nicht nur Rankings gewinnen, sondern in den Antworten generativer KI vorkommen.
Wie entscheidet eine KI, welche Marken sie nennt?
Generative KI funktioniert nicht wie eine klassische Suchmaschine. Je nach System, Anfrage und aktivierter Websuche werden Informationen aus unterschiedlichen Quellen verarbeitet. Dazu gehören Webseiten, Nachrichten, Datenbanken, Fachartikel, Unternehmensseiten, Bewertungen und andere öffentlich zugängliche Informationen.
Eine KI muss deshalb zunächst genügend Signale bekommen, dass eine Marke tatsächlich existiert und wofür sie relevant ist.
Eine gut optimierte Unternehmenswebsite allein garantiert dabei keine Erwähnung. Entscheidend ist das Zusammenspiel mehrerer Faktoren:
- klare Informationen über das Unternehmen
- relevante und aktuelle Inhalte
- Erwähnungen auf anderen Websites
- hochwertige Fachartikel und Medienberichte
- konsistente Unternehmensdaten
- thematische Autorität
- nachvollziehbare Expertise
- strukturierte Inhalte
- vertrauenswürdige Quellen und Referenzen
Im Grunde entsteht damit eine neue Form der digitalen Sichtbarkeit.
1. Die eigene Website muss für Maschinen genauso verständlich sein wie für Menschen
Der erste Schritt ist überraschend banal: Eine KI muss verstehen können, wer eine Marke ist und was sie anbietet.
Auf vielen Unternehmenswebsites stehen zwar Marketingformulierungen wie „innovativ“, „führend“ oder „individuelle Lösungen“. Für Menschen klingt das gut. Für eine Suchmaschine oder ein KI-System ist es aber wenig hilfreich.
Besser sind konkrete Aussagen.
Statt:
„Wir entwickeln innovative Lösungen für die Zukunft.“
besser:
„Unternehmen X entwickelt Software für die automatisierte Buchhaltung von Schweizer KMU.“
Damit sind Unternehmen, Produkt, Zielgruppe und Anwendungsbereich eindeutig.
Wichtige Informationen sollten deshalb nicht ausschließlich in Bildern, Videos oder komplizierten JavaScript-Elementen versteckt sein. Zentrale Fakten müssen als normaler, crawlbarer Text vorhanden sein.
2. Inhalte rund um die Marke schaffen
Eine einzelne Startseite reicht kaum aus, um eine Marke zu einem relevanten Thema zu machen.
Unternehmen sollten deshalb ein Content-Ökosystem aufbauen.
Dazu gehören beispielsweise:
- ausführliche Produktseiten
- Ratgeber
- Fachartikel
- Vergleichsseiten
- Anwendungsbeispiele
- Studien
- Interviews
- FAQ-Seiten
- Glossare
- Case Studies
- technische Dokumentationen
- Presseinformationen
Dabei sollte nicht jeder Text eine Verkaufsseite sein.
Wer beispielsweise eine Schweizer Nahrungsergänzungsmarke betreibt, sollte nicht nur erklären, welche Produkte erhältlich sind. Interessanter sind auch fundierte Inhalte zu Inhaltsstoffen, Anwendungsbereichen, wissenschaftlichen Erkenntnissen, gesetzlichen Rahmenbedingungen oder häufigen Fragen.
So entsteht ein thematisches Umfeld, in dem die Marke immer wieder auftaucht.
3. Nicht nur über die eigene Marke schreiben
Ein wichtiger Unterschied zum klassischen Unternehmensblog: Andere Websites sind mindestens genauso wichtig.
Wenn eine Marke nur auf ihrer eigenen Website behauptet, dass sie „führend“ oder „innovativ“ ist, besitzt diese Aussage nur begrenztes Gewicht.
Interessanter wird es, wenn unabhängige Quellen über die Marke schreiben.
Das können sein:
- Fachmedien
- Wirtschaftsmedien
- Branchenportale
- lokale Medien
- Verbände
- Universitäten
- Konferenzseiten
- Podcasts
- Interviews
- Studien
- Unternehmensverzeichnisse
Genau hier treffen sich klassische PR und AI Visibility.
Eine gute Medienerwähnung kann nicht nur zusätzliche Besucher bringen. Sie kann auch dazu beitragen, dass Suchsysteme und KI-Modelle eine Marke stärker mit einem bestimmten Thema verbinden.
4. Für konkrete Fragen optimieren
Unternehmen sollten sich fragen:
Bei welchen Fragen soll unsere Marke von einer KI genannt werden?
Nicht:
„Für welches Keyword wollen wir ranken?“
Sondern beispielsweise:
„Welche Schweizer Bitcoin-Unternehmen gibt es?“
„Welche Software eignet sich für kleine Schweizer Unternehmen?“
„Welche Anbieter bieten diese Dienstleistung in Deutschland an?“
„Welche Marken sind bei diesem Produktsegment bekannt?“
„Welche Alternativen gibt es zu Anbieter X?“
Das sind Fragen, die Nutzer tatsächlich an Chatbots stellen.
Daraus lassen sich Content-Themen entwickeln.
Eine Marke kann beispielsweise einen ausführlichen Artikel zum Thema „Die wichtigsten Anbieter für …“ veröffentlichen. Noch besser ist es, wenn dieselbe Marke in unabhängigen Fachartikeln, Vergleichen und Branchenübersichten auftaucht.
5. Entitäten werden wichtiger als einzelne Keywords
Bei generativer KI geht es zunehmend darum, eine Marke als Entität zu etablieren.
Eine Entität ist vereinfacht gesagt ein eindeutig identifizierbares Unternehmen, Produkt, Projekt oder eine Person.
Für eine Brand sollten deshalb möglichst klar zusammengehören:
Markenname → Unternehmen → Produkte → Branche → Standort → Expertise → Themen
Je konsistenter diese Informationen auf verschiedenen Plattformen erscheinen, desto einfacher ist es für Systeme, die Zusammenhänge zu erkennen.
Dabei sollten Schreibweisen möglichst konsistent sein. Wenn ein Unternehmen auf seiner Website anders heißt als auf LinkedIn, in Presseartikeln und in Branchenverzeichnissen, entstehen unnötige Unklarheiten.
6. Strukturierte Daten nicht vergessen
Auch technische SEO bleibt wichtig.
Schema.org-Markup kann Suchmaschinen dabei helfen, bestimmte Informationen besser zu verstehen. Je nach Unternehmen können beispielsweise Daten zu Organisationen, Produkten, Artikeln, Veranstaltungen oder Personen strukturiert hinterlegt werden.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Unternehmen mit Schema.org automatisch in ChatGPT auftaucht.
Strukturierte Daten sind vielmehr ein Teil des gesamten Informationspakets.
Technische Verständlichkeit + hochwertige Inhalte + externe Erwähnungen + thematische Autorität sind wesentlich interessanter als irgendein einzelner „KI-SEO-Trick“.
7. Aktualität kann entscheidend sein
Eine weitere Besonderheit generativer Suchsysteme: Viele Fragen beziehen sich auf aktuelle Informationen.
„Welche Bitcoin-Börsen sind aktuell in Europa verfügbar?“
„Welche Schweizer Fintechs bieten X an?“
„Welche neuen KI-Tools gibt es 2026?“
Bei solchen Fragen haben aktuelle Inhalte einen offensichtlichen Vorteil.
Unternehmen sollten deshalb wichtige Seiten regelmäßig überprüfen und aktualisieren.
Ein fünf Jahre alter Artikel kann zwar weiterhin wertvoll sein. Wenn darin aber veraltete Preise, Produkte, Mitarbeiter, Unternehmensdaten oder regulatorische Informationen stehen, wird er als Quelle weniger interessant.
8. Erwähnungen sind nicht nur klassische Backlinks
Bei klassischem SEO wird häufig über Backlinks gesprochen.
Für AI Visibility ist jedoch eine breitere Perspektive sinnvoll.
Eine Marke kann auf einer hochwertigen Website erwähnt werden, ohne dass daraus zwingend ein klassischer SEO-Link entsteht. Trotzdem kann diese Erwähnung für die öffentliche Wahrnehmung und die Verbindung zwischen Marke und Thema relevant sein.
Deshalb sollte PR nicht ausschließlich nach dem Motto betrieben werden:
„Wie viele Backlinks bekommen wir?“
Interessanter ist:
„In welchen glaubwürdigen Quellen wird unsere Marke im richtigen thematischen Zusammenhang erwähnt?“
Das verschiebt den Fokus von Linkbuilding zu digitaler Reputation.
9. Autoren und Experten sichtbar machen
Eine anonyme Website ist weniger überzeugend als eine Website, auf der echte Menschen mit nachvollziehbarer Expertise auftreten.
Unternehmen sollten deshalb Fachautoren, Gründer, Experten und Ansprechpartner sichtbar machen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Autorenprofile
- Unternehmensprofile
- LinkedIn-Präsenzen
- Interviews
- Konferenzauftritte
- Fachbeiträge
- Studien
- Zitate in Medien
- Podcasts
Besonders bei sensiblen Themen wie Finanzen, Medizin, Recht oder Technologie ist nachvollziehbare Expertise wichtig.
10. Eine einfache Strategie für Brands
Wer seine Sichtbarkeit in generativer KI verbessern möchte, kann mit einem relativ einfachen Prozess beginnen.
Schritt 1: Die wichtigsten Fragen definieren
20 bis 50 konkrete Fragen sammeln, bei denen die Marke genannt werden sollte.
Schritt 2: Bestehende Sichtbarkeit testen
Die Fragen in unterschiedlichen KI-Systemen stellen und dokumentieren:
- Wird die Marke genannt?
- Welche Wettbewerber erscheinen?
- Welche Quellen werden verwendet?
- Welche Argumente führen zur Empfehlung?
- Welche Informationen fehlen über die eigene Marke?
Schritt 3: Informationslücken schließen
Fehlende Inhalte auf der eigenen Website erstellen oder verbessern.
Schritt 4: Externe Sichtbarkeit aufbauen
Gezielt Fachmedien, Branchenportale, Podcasts, Interviews und andere glaubwürdige Quellen ansprechen.
Schritt 5: Aktualisieren
Wichtige Inhalte regelmäßig auf Aktualität und Konsistenz überprüfen.
Schritt 6: Wieder testen
Die gleichen Fragen nach einigen Wochen oder Monaten erneut prüfen.
Damit entsteht ein messbarer Prozess statt einer weiteren SEO-Buzzword-Strategie.
AI Visibility ersetzt SEO nicht
Der vielleicht wichtigste Punkt: Generative Engine Optimization, AI SEO oder AI Visibility sind kein Ersatz für klassische Suchmaschinenoptimierung.
Eine technisch schlechte Website wird nicht plötzlich erfolgreich, nur weil sie einige Texte über KI veröffentlicht.
Im Gegenteil: Viele Grundlagen bleiben identisch.
Eine Website braucht weiterhin:
- gute technische Qualität
- crawlbare Inhalte
- klare Seitenstrukturen
- relevante Themen
- gute interne Verlinkung
- vertrauenswürdige externe Signale
- schnelle und nutzerfreundliche Seiten
- aktuelle Informationen
Neu ist vor allem die zusätzliche Frage:
Was passiert, wenn ein Nutzer nicht mehr nach meiner Website sucht, sondern eine KI nach meiner Branche fragt?
Von Google Rankings zu Markenpräsenz
Die entscheidende Veränderung ist deshalb weniger technisch als strategisch.
Früher lautete die zentrale Frage:
„Auf welcher Position steht unsere Website bei Google?“
Heute kommen weitere Fragen hinzu:
„Wird unsere Marke überhaupt genannt?“
„Welche Wettbewerber nennt die KI stattdessen?“
„Welche Quellen verwendet sie?“_
„Welche Eigenschaften verbindet sie mit unserer Marke?“
Und vor allem:
„Was können wir tun, damit unabhängige Quellen unsere Marke im richtigen thematischen Zusammenhang erwähnen?“
Genau daraus entsteht langfristig AI Visibility.
Wer damit erst beginnt, wenn die Konkurrenz bereits in den Antworten generativer Suchsysteme etabliert ist, hat einen Nachteil. Für Marken ist deshalb jetzt der richtige Zeitpunkt, nicht nur für Suchmaschinen zu optimieren, sondern dafür zu sorgen, dass sie im digitalen Wissensraum überhaupt als relevante Marke erkennbar werden.





