The Running Man (2025): Cyberpunk-Dystopie im futuristischen Überlebenskampf

Edgar Wright inszeniert mit The Running Man (2025) einen dystopischen Science-Fiction-Thriller nach Stephen Kings Roman Menschenjagd (1982). Die Neuauflage orientiert sich dabei stärker an der Vorlage als der Arnold-Schwarzenegger-Originalfilm von 1987: Wrights Version bleibt – im Gegensatz zum campigen Action-Spektakel der 80er – gravitätisch und sozialkritisch. Kritiker heben hervor, dass Wright „eine engere Adaption“ liefert und damit schon per se „besser abschneidet als die 1987er-Version, wenngleich dies keine große Hürde ist“. In der narrativen Grundidee verbindet der Film Fernsehen, Unterhaltung und politischer Widerstand in einer nahen Zukunft, in der Medienkonzerne Staat und Öffentlichkeit formen (wie etwa Technologie-Überwachung, Konsumpropaganda und extreme Ungleichheit bereits 1982 vorhergesagt wurden).

 

Cyberpunk-Ästhetik und futuristisches Setting

Wright ist „bekannt für seinen ästhetischen Feinschliff“, was sich auch in The Running Man zeigt: Schnell geschnittene Actionszenen und knallbunte Farben prägen das Bild. Das Production Design mixt neondurchflutete Straßenschluchten mit futuristischen Elementen – etwa kugelförmigen Drohnen, die patrouillierend durch die Stadt schweben (mit minimalen Änderungen gegenüber dem Original, wie eine Kritik bemerkt). In einer Szene etwa entkommt Glen Powells Ben Richards fliegenden Überwachungsdrohnen, die passiv nach ihm suchen. Diese Kombination aus grellem Look und Technik-Überwachung erinnert an die Cyberpunk-Klassiker wie Blade Runner, jedoch lässt Wright The Running Man weniger in düsterer Gasse spielen und setzt stärker auf ein hochglänzendes, fast schon poppiges Design. Slashfilm fasst es so zusammen: Wright liefert „schnelle Schnitte und grelle Farben“ im Sinne des Genres.

Vergleiche mit Genre-Klassikern

Im Stil erinnert The Running Man deutlich an dystopische Klassiker. Die allgegenwärtige Überwachung, der Konzernstaat und grelle Neonlichter wecken Assoziationen an Blade Runner und ähnliche Cyberpunk-Werke, auch wenn explizite Anspielungen fehlen. Der Handlungsrahmen – ein brutaler Kampf ums nackte Überleben als Unterhaltung – hat dagegen Parallelen zum Schwarzenegger-Film: Allerdings geht Wrights Version deutlich ernster zu Werke. Die Währung „New Dollar“ (N.D.) mit Arnold Schwarzeneggers Gesicht auf den Banknoten ist eine direkte Hommage an das Vorgänger-Universum. Im Film kämpft die Hauptfigur Ben Richards nicht mehr im Arena-Stil gegen Monster, sondern vor allem auf offener Flucht durch die Stadt. So sorgt Colman Domingos charismatischer Moderator Bobby T. zwar weiterhin für trashige Show-Atmosphäre, doch die sozialen Motive entsprechen eher dem Buch (Armut, Korruption, Klassenkampf) als der schlagkräftigen Prügelei des Originals. Kritiker weisen deshalb darauf hin, dass Wrights Adaption in Ton und Schwerpunkt weiter vom ursprünglichen Nervenkitzel-Abenteuer abweicht und sich stärker wie ein politischer Kommentar anfühlt.

Postkapitalistische Themen: „New Dollar“, Drohnen und Dystopie

Die Zukunftsvision des Films ist konsequent dystopisch: Ein einziger Unterhaltungskonzern („the Network“) beherrscht das Land, während die breite Bevölkerung in Elendsvierteln vegetiert. Währung: Besonders auffällig ist die neue Währung „New Dollar“ – eine Billion davon winkt als Preisgeld für Richards, wenn er einen Monat überlebt. Diese „New Dollar“ tragen auf dem 100-ND-Schein das Gesicht von Arnold Schwarzenegger, was einerseits die Verbindung zum Kultklassiker herstellt. Andererseits symbolisiert es den personifizierten Kapitalismus, der hier in der Popkultur vergöttert wird. Überwachung: Drohnen, Kameras und Datenkontrolle durchziehen die Handlung. Wie schon King vorhersah, hat der Staat eine technologische Schlinge um die Bürger gelegt – etwa in Form von allgegenwärtigen Bildschirmen und kugelförmigen Drohnen. Richards wird von selbstfahrenden Autos und Drohnen gejagt; zudem betreibt das Regime eine perfide Medienpropaganda, um ihn zu diffamieren. Dadurch entsteht ein Szenario, das stärker an Neo-Noir und Cyberpunk erinnert als an fluffiges Popcorn-Kino. Slashfilm betont diesen Widerspruch: Die düstere politische Botschaft des Films stehe in krassem Kontrast zu den grellen Kamerafahrten und Effekten.

Kritische Rezeption und Kritikpunkte

Zwar wird The Running Man für seine temporeiche Inszenierung gelobt, doch die Kritik bleibt überwiegend gemischt bis negativ. Hauptkritikpunkte sind meist der Tonwechsel, die Oberflächlichkeit und ironische Brüche:

  • Inkonsistente Tonalität: Kritikern zufolge schwankt der Film unentschlossen „zwischen selbst ernsten dystopischen Warnungen und delirant-stupidem Spektakel“. Das führt dazu, dass soziale Themen nur oberflächlich angekratzt werden, ohne tiefer gehende Analyse. Die starke Satire eines Blade Runner erliegt hier dem Drang nach Effekt, so dass etwa Überwachungsstaat- und Klassenkampf-Elemente gelegentlich wie Gags wirken.

  • Charakterzeichnung: Einige Rezensenten bemängeln, dass Hauptdarsteller Glen Powell als Ben Richards zu sympathisch wirkt. Sein natürlicher Charme überdeckt laut Kritikern die innere Verzweiflung seines Charakters – „er wirkt nicht wirklich verbittert genug für diese Figur“. Powell zeigt zwar physische Präsenz, doch eine „Gefühlswut, die ihn gefährlich machen würde, vermittelt er kaum“ (Original: „never quite sells that internal fracture“). Insbesondere das Ende mit seinem emotionalen Monolog wird als wenig überzeugend empfunden.

  • Produktplatzierung: Trotz der anti-kapitalistischen Stoßrichtung stören prominente Markenauftritte (Monster-Energy-Drinks, Lebensmittelwerbung etc.) das Eintauchen ins Szenario. Slashfilm nennt diesen Stilbruch „paradox“: Der Film sei mit der „peinlichsten Produktplatzierung gesättigt“ und damit ein bunter Mix aus realer Werbekultur, der seinem eigenen Anti-Konzern-Gedanken widerspricht. Viele Zuschauer empfinden dies als unpassend, da der paranoid-kritische Kern der Story dadurch verwässert wird.

  • Oberflächliche Gesellschaftskritik: Kritiker wie „The Only Critic“ monieren, dass der Film zwar politische Themen einführt, aber nie richtig vertieft. Wrights Version gestalte sich daher weniger als bissige Kapitalismuskritik, sondern vielmehr als Action-Thriller mit politischer Fassade. So erscheine die Revolution – etwa vertreten durch Michael Ceras Charakter – teils „kindisch“ inszeniert, wodurch der ernsthafte Unterton verloren gehe. Insgesamt bleibt der Eindruck, dass dem Film für echte gesellschaftliche Tiefe „die Ausarbeitung fehlt“ (O-Ton: „wants the credit for depth without doing the digging“).

Trotz dieser Schwächen loben manche Kritiker die visuellen Aspekte und den Unterhaltungswert: Wrights Markenzeichen – etwa seine schnellen Schnittfolgen und gut getimte Musikeinsatz – seien auch in The Running Man erkennbar. Glen Powell präsentiere sich charmant, und Colman Domingo stehle mit seiner schillernden Figur Bobby T. die Szene. Doch das Fazit ist oft ernüchternd: The Running Man wirkt vielen zufolge wie eine „verpasste Chance“ – ein stilvoll inszenierter Actionfilm, der zwar optisch überzeugt, aber sein soziales Experiment nicht mit voller Konsequenz durchzieht.

🎥 Offizielle Reviews & Kritiken

  1. Rotten Tomatoes – The Running Man (2025)
    Übersicht zu Bewertung, Handlung und Kritiker-Meinungen.
    ▶️ https://www.rottentomatoes.com/m/the_running_man_2025

  2. Moviejones – Kritik zu The Running Man
    Detaillierte Rezension mit Fokus auf Charaktere, Setting & Unterschiede zum Original.
    ▶️ https://www.moviejones.de/kritiken/the-running-man-kritik-8461.html

  3. Slashfilm – Kritik: Edgar Wright’s The Running Man Remake Botches Its Own Message
    Kritische Analyse zur Botschaft und Umsetzung des Films.
    ▶️ https://www.slashfilm.com/2025091/edgar-wright-the-running-man-remake-botched-message/

  4. Entertainment Geekly – Review zu The Running Man
    Bewertung zur Inszenierung, Pace, Welt‑ und Charakteraufbau.
    ▶️ https://www.entertainmentgeekly.com/2025/11/13/the-running-man-2025-review-edgar-wrights-slick-remake-runs-hard-but-not-deep/

📊 Weitere Kritiken & Einschätzungen

  1. Decider – Stream It Or Skip It: ‚The Running Man’
    Review mit Bewertung zum Genre‑Mix, Ton und Action‑Ebenen.
    ▶️ https://decider.com/2026/01/13/glen-powell-the-running-man/

  2. Kino.de – The Running Man im Kino & Streaming Kontext
    Überblick zu Publikum, Kino‑Performance und allgemeiner Rezeption.
    ▶️ https://www.kino.de/news/wurde-vom-publikum-komplett-ignoriert-einer-der-groessten-actionfilme-2025-ist-jetzt-im-streaming–01KDJE4CR6XS8HE9569TMX638M

🧠 Hintergrund & Context

  1. Wikipedia (FR) – Überblick zu The Running Man (film, 2025)
    Produktionsdetails, Release‑Daten, Rezeption & statistische Werte.
    ▶️ https://fr.wikipedia.org/wiki/Running_Man_%28film%2C_2025%29

  2. ScreenRant – Kritiken & Ratings zu The Running Man
    Einordnung der Rotten‑Tomatoes‑Wertungen und Kontext im Stephen‑King‑Adaptionsjahr.
    ▶️ https://screenrant.com/the-running-man-2025-movie-rotten-tomatoes-score-debut-stephen-king/

Bonus: Prominente Statements

  1. People.com – Arnold Schwarzenegger spricht über das Remake
    Hintergrundinfos und Statements vom Original‑Star zur Neuverfilmung.
    ▶️ https://people.com/arnold-schwarzenegger-always-wanted-a-running-man-remake-11846051

 

 

Netflix: Die grausame Serie Squid Game

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