Heisses Eisen: Frauen an der Front.

Frauen im Metal? Natürlich gibt es gebildete Leute – Doktoren gar und Professorinnen -, die sich mit der Rolle der Frau in der Metalszene im Allgemeinen oder in Metalbands im Besonderen aus genderwissenschaftlicher Sicht auseinandergesetzt haben. Als schmuckes Beiwerk, Erfüllungen archaisch-männlicher Wunschträume, Sexsymbole oder Neoklassizistische Heulbojen und weiss der Geier noch was wurden und werden Frauen im Metal gesehen. Schaut man sich Schrecklichkeiten wie Vixen, Nightwish und heute Huntress an, mag das sogar stimmen – auch wenn Girlschool, Détente und von mir aus auch Warlock schon in den Achtzigern die Ausnahmen der Regel waren. Aber darum soll es hier eh nicht gehen. Es gibt nämlich eine ganze Reihe von Bands mit Frontfrauen, die keines der genannten Klischees erfüllen. Sie überzeugen mit einer magischen Präsenz, einer geheimnisvollen Aura und (oder?) mit Vocals, die durch Mark und Bein, unter die Haut und eiskalt den Rücken runter fahren. Natürlich machen Äusserlichkeiten Teil der Faszination aus. Aber diese gehören zum Metal dazu – ob Female-, Male- oder sonstwas Fronted. Darf ich euch nun einige Beispiele vorstellen? Seid herzlichst bedankt.

The Devil's Blood
Das heisseste Eisen im Feuer des zeitgenössischen Retro-Okkult-Rock sind zweifelsohne die mittlerweile aufgelösten The Devil's Blood. Sie haben die Welle losgetreten, sie haben polarisiert und die Gemüter nicht nur musikalisch zur Wallung gebracht. Klar: Ein Bandleader und Gitarrist, der auch schon mal einem unflätigen Zuschauer aufs Maul gibt, kommt nicht überall gut an. Die spirituelle Geheimniskrämerei und die blutrünstigen Auftritte – Verzeihung: Rituale – taten ihr Ãœbriges. Auch die Gesangskünste von F. The Mouth of Satan gaben zu Diskussionen Anlass. Fakt ist: Farida (so der Sängerin realer Name) überzeugt nicht unbedingt durch technische Perfektion. Dafür aber mit einer Hypnotik (gibt's das?), die den geneigten Hörer in den Bann zieht, mit Ãœberzeugungskraft (Man glaubt ihr tatsächlich, was sie da von sich gibt. Hilfe!) und mit einer Bühnenpräsenz, die einem Stoiker Angst machte. Ich geb's zu: Ich zähle zu den Jüngern. Wer das doof findet, hat eh längst aufgehört zu lesen.

Jess & the Ancient Ones
Böse Zungen behaupten ja, Jess und ihre alten Säcke seien ein blosser Abklatsch von The Devil's Blood – darunter wohl sogar ein gewisser Selim L. aus Utrecht. Wer sich das Album (und die neue EP) der Finnen aber richtig angehört hat, kommt zu einem anderen Schluss. Hier wird straighter – dabei nicht weniger tiefgründig – gerockt. Eine dezente Hammondorgel trägt wesentlich zum Gesamtsound bei. Jess singt kraftvoll, sie scheint bodenständiger, weniger entrückt als der Mund Satans, und sie passt damit tiptop zum klassischen Hardrock der Band. Psychedelische Ausflüge gehören dennoch dazu wie ein okkultes Konzept, über dessen Glaubwürdigkeit spekuliert werden darf. Tatsache ist, dass sich auf dem Debut von Jess & the Ancient Ones Songperle an Songperle reiht. Und das sage ich nach mindestens zehntausend Durchläufen.

Christian Mistress
Jetzt wird's klassisch. Und zwar richtig. Klassischer als Christian Mistress kann man echten Heavy Metal kaum spielen. Und dieser klingt dann eben so, wie er in den frühen Achtzigern geklungen hat: nach etwas härterem Hardrock. Jedenfalls in heutigen Ohren. Scheissegal sowieso: Hier wird mit soviel Herzblut und trotzdem unaufgeregt der wahre Metal zelebriert, dass es eine Freude ist. Und neben den herzerfrischend geilen Soli und Gitarrenläufen erquickt vor allem Sängerin Christine das Ohr. Zwischen Singen und sanft dahingerotztem Sprechgesang – ja das gibt's, hört's euch an! – pendelt sie hin und her und sorgt für zusätzlichen Wiedererkennungswert. Mit Christen haben wir's hier – trotz Band- und Sängerinnennamen – nicht zu tun. Mit Satanisten aber wohl auch nicht. Wahrscheinlich einfach mit einer stinknormalen, saucoolen Heavy Metal-Band.

Witch Mountain
Ich weiss, die hab ich schon mal gebracht. Aber Witch Mountain sind so gut, dass ich sie nicht oft genug propagieren kann. Das liegt nicht zuletzt an Sängerin Uta Plotkin, die dem genialen Doom Metal ihrer Bandkollegen das Sahnehäubchen aufsetzt. Diese Redewendung mag im Doomkontext seltsam anmuten: Hier trifft sie den Nagel auf den Kopf (höhö). Die gute Uta ist mit einer wirklich einzigartigen Stimme gesegnet. Dabei singt, flüstert, keift sie sich durch die Songs, dass es eine wahre Freude ist. Das sind nicht die typischen weiblichen Doomvocals wie wir sie etwa von The Wounded Kings oder Alunah kennen (und lieben). Uta hat Power in der Stimme, ihre Vocals kommen aus tiefstem Herzen – und treffen den Hörer auch genau dort. Ihr seht: die Uta hat's mir angetan. Also hört selbst.

Hela
Zum Schluss noch ein echter Geheimtipp: Hela aus dem sonnigen Spanien. Aber keine Angst, hier geht's nicht fröhlich zu. Einmal mehr sind doomige Klänge angesagt. Und was für welche. Auf dem eben erschienen Debütalbum reihen sich die geilsten, schwersten und gnadenlostesten Riffs aneinander, die in Elche je geschrieben wurden. So heisst das Kaff, in dem Hela ihre Doommonster erschaffen. Und die von Isabel Sierras wunderbar veredelt werden. Hier habt ihr eure klassischen weiblichen Doomvocals. Und zwar genauso wie sie sein sollen: melancholisch, atmosphärisch, leicht monoton und sich dadurch perfekt ins musikalische Gesamtbild einfügend. Hela verdienen unsere Anerkennung – und unsere Unterstützung. Hier könnt ihr die CD oder den fucking Download beziehen: http://hela.bandcamp.com

Ich weiss, hier fehlen einige geniale Female Fronted-Bands, die man auf keinen Fall vergessen darf. Blood Ceremony, Jex Thoth, Alunah, The Wounded Kings, aber auch Derketa, Mortillery oder – Achtung noch ein Geheimtipp! – Black Table. Na ja, vielleicht ein ander mal.

Matte

Für Heavy Metal zuständig … und ist der linke Fuss und die rechte Hand von Trollhauser.

Ein Gedanke zu „Heisses Eisen: Frauen an der Front.

  • 6. Juli 2013 um 13:26
    Permalink

    ROYAL THUNDER nicht zu vergessen!

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