Repräsentation von Plus-Size-Talenten in Film und Fernsehen

In den vergangenen Jahren hat die Anzahl der Schauspielerinnen und Schauspieler, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, kontinuierlich zugenommen. Stars wie Rebel Wilson und Melissa McCarthy sind gern gebuchte Talente, die fast jeden ihrer Filme auf den ersten Platz der Kinocharts bringen. Eine gute und wichtige Entwicklung, die lange auf sich warten ließ. Dennoch gibt es in Bezug auf die Rollen und Handlungsstränge noch Nachholbedarf.

Plus-Size in der Popkultur

Lange Zeit waren Plus-Size-Talente aus der Unterhaltungsindustrie verbannt. Schlanke, scheinbar perfekte Körper standen im Fokus und verbreiteten ein verzerrtes Bild der Realität. Dieser gezielte Ausschluss mündete in der Body-Positivity-Bewegung, die für ein realistisches Schönheitsbild in den Medien kämpft. Mittlerweile schaffen es Übergrößen-Models – wie Ashley Graham – auf die Cover renommierter Mode-Zeitschriften wie Cosmopolitan und Vogue. Die Modehäuser zogen nach und entwickelten moderne Plus-Size-Kollektionen, die kurvige Figuren perfekt in Szene setzen.

Plus-Size-Models sind zum festen Bestandteil der Modeindustrie geworden. Auf YouTube und Instagram finden Plus-Size-Beauty-Gurus rasanten Wachstum, während kurvige Stars wie Adele und Lizzo die Musikbranche zum Umdenken auffordern. Trotz all dieser positiven Entwicklungen gibt es einen Zweig der Unterhaltungsindustrie, der hinterherhinkt: Film und Fernsehen. An Auswahl mangelt es nicht – Melissa McCarthy, Rebel Wilson und Gabourey Sidibe sind nur drei der vielen begabten Plus-Size-Talente in Hollywood. Vielmehr hapert es an starken, positiven Rollen.

Fehlende Rollenangebote verhindern ehrliche Inklusion

In Film und Fernsehen sind die Rollen klar verteilt. Die schlanken Darstellerinnen spielen die Angebetete, während den kurvigen Körpertypen nur die Rolle der „dicken besten Freundin“ beziehungsweise des „tollpatschigen dicken Kumpels“ zufällt. Ein Beispiel für dieses Schema sind Rebel Wilsons Engagements in den Filmen Pitch Perfect und Brautalarm. Die australische Darstellerin spielt die klassische „lustige, unbeholfene Dicke“, die als Pointe jedes Witzes fungiert und an ihrem Gewicht verzweifelt.

Für Plus-Size-Talente, die diese Klischees nicht bedienen möchten, finden sich kaum Rollen. Jennifer Hudson – Oscar-Gewinnerin und Star des Films Dreamgirls – stellte nach ihrem drastischen Gewichtsverlust von 40 Kilogramm eine Veränderung in puncto Auswahl fest. Während ihr Körpergewicht sank, stieg die Anzahl der Angebote dramatisch. Auf einmal stand ihr der Weg zur Darstellung ernsthafter, würdevoller Charaktere offen. Rebel Wilson – die kürzlich 20 Kilogramm abnahm – bestätigte diesen Zusammenhang. Nur wer die klassischen Schönheitsideale Hollywoods erfüllt, wird mit guten Rollen belohnt.

Hollywood hat Nachholbedarf

Im Zuge der Body-Positivity-Bewegung ist es für Hollywood wichtig, Plus-Size-Talente nicht nur in die Rollen schwacher Charaktere zu stecken. Nicht jede Person mit einer kurvigen Figur hadert mit dem eigenen Körper und ist chronisch unglücklich. Um die realistischen Körpertypen authentisch zu repräsentieren, bedarf es starker Rollen. Ziel von Film und Fernsehen sollte es sein, Frauen und Männer mit Übergröße als das darzustellen, was sie sind – ganz normale Menschen.

Foto CC0 Public Domain via Unsplash

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