Das neue Web

Was gibt’s neues im Netz? Unbemerkt von den meisten Internet-Usern tobt im Hintergrund schon seit längerer Zeit ein Krieg der Ideologien. Während die einen versuchen sämtliche Dienste zu zentralisieren und den Traffic zu regulieren, arbeiten andere an der vollständigen Dezentralisierung und Verschlüsselung des Webs. Bonz ist in diesem Falle parteiisch und zeigt euch die interessantesten Werkzeuge für die kommenden Monate.

 

 

WebRTC

WebRTC steht für Web Real-Time Communication und wurde 2011 erstmals offiziell vorgestellt. Bis dahin war es üblich, dass Browser ausschliesslich mit Webservern kommunizieren. WebRTC bringt nun Peer-to-Peer Verbindungen in die Browser und ermöglicht es den Usern ohne Zwischenstationen direkt miteinander zu kommunizieren. Was dies bedeutet, lässt sich am besten anhand eines praktischen Beispiels demonstrieren: https://talky.io/

Talky verwendet WebRTC um Video und Audio Signale zwischen den Browsern auszutauschen. Mit anderen Worten, man könnte damit Skype und Google Hangouts ersetzen. Direkt im Browser und ohne zusätzliche Plugins wie beispielsweise Adobe Flash. Talky nutzt aber nur eine von unendlich vielen Anwendungsmöglichkeiten. Grundsätzlich können via WebRTC alle möglichen Arten von Daten ausgetauscht werden. Ein weiteres Beispiel findet ihr weiter unten bei den Torrents.

Homepage: http://www.webrtc.org/

Blockchain

Die Blockchain ist quasi das dezentrale Nervensystem von Cryptowährungen wie beispielsweise Bitcoin. Eine Datenbank, die laufend vom gesamten Netzwerk kopiert und überwacht wird. In erster Linie dient diese „Datenbank“ als Register für sämtliche Bitcoin Transaktionen, jedoch können darin auch andere Informationen abgespeichert werden. So findet man in der Bitcoin Blockchain beispielsweise zahlreiche eincodierte Bilder, Texte und sogar Programme (Beispiele). Das besondere daran ist, dass eine Blockchain nachträglich nicht mehr manipuliert werden kann und dass laufend Kopien davon erstellt werden. Die darin gespeicherten Informationen werden quasi versiegelt und für die „Ewigkeit“ konserviert, bleiben dabei aber trotzdem jederzeit für jeden einsehbar.

Homepage: https://bitcoin.org/

BitTorrent

BitTorrent zerstückelt Daten in einzelne Segmente und verteilt sie wie ein Schwarm. Was dies bedeutet sieht man am besten in dieser Animation. Die einzelnen Segmente werden solange zwischen den Usern ausgetauscht, bis jeder eine vollständige Kopie der Daten besitzt. Zentrale Fileserver werden oft überlastet, wenn viele User gleichzeitig grosse Dateien herunterladen. Bei BitTorrent passiert genau das Gegenteil. Je mehr Teilnehmer die Daten herunterladen, desto schneller verbreiten sie sich. Torrents gib’s mittlerweile schon seit einigen Jahren, aber die wirklich interessanten Entwicklungen sind noch relativ neu. So ist es beispielsweise via node.js und Peerflix möglich, Video-Torrents direkt im VLC Mediaplayer zu streamen. Torrent-mount ermöglicht es sogar, den Inhalt von Torrents als Partition zu mounten und einzelne Dateien darin in Echtzeit zu laden.

Homepage: http://www.bittorrent.com/

 

Diese drei Technologien sind für sich genommen bereits ziemlich revolutionär. Richtig interessant wird es allerdings erst, wenn diese Werkzeuge miteinander kombiniert werden und an diesem Punkt sind wir jetzt angekommen. Eines der vielversprechendsten Projekte ist derzeit Webtorrent. In diesem Fall wird WebRTC mit BitTorrent kombiniert und das Ergebnis ist ein Torrent-Client für den Browser. Was nützt uns das? Nun, schon bald wird es beispielsweise möglich sein Videos via Torrent direkt im Browser zu streamen. Plattformen wie Youtube werden dann plötzlich überflüssig und grosse Datenströme werden unaufhaltsam dezentralisiert.

Den Programmierern unter euch ist bestimmt klar, was man mit diesen Technologien alles basteln kann. Ran ans Werk!

Rave

Hauptberuflicher Chaot und staatlich geprüfter Paranoiker.

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