Heisses Eisen: Top 20 of 14 / Teil I

Hier präsentiere ich euch meine 20 Lieblingsalben des auslaufenden Jahres. Ohne Reihenfolge, ohne Anspruch auf Gerechtigkeit, dafür aber im Wissen, über den ultimativ guten Geschmack zu verfügen. Sollte das jemand anders sehen, soll er seine eigene Liste machen oder sich mit seinen illegalen Deathcore-Downloads ins Pfefferland verziehen.

Shores of Null – Quiescence
Italien bringt immer wieder herausragende, eigenständige Bands hervor. Dazu gehören in diesem Jahr auch Shores of Null, die sich auf ihrem Debüt mit einer Mischung aus klassischem Doom, Alice in Chains-Harmonien und modernem Dark/Gothic Metal zwischen alle Stühle setzen. Zu überzeugen wissen sie dabei schlicht mit grossartigen Songs, welche sich insbesondere durch den grandiosen Gesang von Davide Straccione, vielleicht dem italienischen Lane Staley, und einige überraschende Wechsel, auszeichnen. Jetzt das Ganze bitte noch auf Vinyl, Freunde.

Sun Worship – Elder Giants
In Sachen Black Metal war das vergangene Jahr eher arm an Highlights, finde ich; jedenfalls, was dessen reine Form angeht. Sun Worship sind ein obskurer Haufen aus Berlin, die sich zwar genretypisch in der Anonymität wohlfühlen, in Interviews allerdings jede Kategorisierung ablehnen. Sei's drum. Auf Elder Giants erfreut astreiner atmosphärischer Black Metal Ohr, Bauch und Herz. Denn trotz musikalisch intonierter Trostlosigkeit tun Sun Worship der gepeinigten Seele gut. Dazu kommt die Platte in sorgfältiger Aufmachung wunderbar daher. Sehr schön!

Sinmara – Aphotic Womb
Das beste Black Metal-Album des Jahres kommt, wenig überraschend, aus Island. Es ist schon erstaunlich, was dieser Inselstaat mit seinen gut 300’000 Einwohnern musikalisch zu bieten hat. Und gerade im Extrem Metal-Bereich spielt man seit einigen Jahren in der Top-Liga mit. Kein Wunder, dass dabei immer wieder die gleichen Protagonisten in neuen Konstellationen auftauchen. So finden wir auch bei Sinmara Musiker von u.a. Svartidaudi und Wormlust. Sie überzeugen mit ihrer eigenen Black Metal-Interpretation, die gekonnt die epische Watain-Schule mit dem inseltypischen Chaos, dieser noch bedrohlicher wirkenden apokalyptischen Stimmung, verbindet. Wahnsinn! Tod! Zerstörung! Es ist eine wahre Freude.

Malthusian – MMXIII
Die malthusianische Theorie besagt – stark vereinfacht -, dass das ungebremste Bevölkerungswachstum unweigerlich in Verelendung und Seuche endet, da die wirtschaftliche Entwicklung mit diesem nicht standzuhalten vermöge. Nun, diese These gilt heute offiziell als wissenschaftlich widerlegt, zumindest, was die westliche Welt angeht. Das ändert nichts daran, dass Malthusian aus Irland mit ihrem ursprünglich als Demo veröffentlichten Debüt eines der gewaltigsten, bösartigsten und besten Death Metal-Alben des Jahres herausgebracht haben.

Mantar – Death by Burning
Mantar sind so gut, dass sie nicht einmal einen Bassisten brauchen. Sie erzeugen zu zweit eine Energie, wie viele Bands sie dritt, viert oder fünft nicht hinkriegen. Hier haut dir der Enthusiasmus, die pure Ãœberzeugung der beiden Hamburger Jungs von ihrem eigenen Schaffen mit jedem der unzähligen sackgeilen Riffs, mit jedem Break von neuem die Faust in die Fresse. Und der Gipfel ist die rotzig-fiese Stimme von Sänger Hanno, mit der er seine Lyrics ausspuckt. Stilistisch einordnen lassen sich Mantar kaum. Spricht doch auch für die Band.

Triptykon – Melana Chasmata
Was soll ich hier noch gross Worte verlieren? Triptykon ist es mit ihrem Zweitling gelungen, das Debüt mindestens zu egalisieren, was etwas heissen will beim schwindelerregenden Level, auf dem wir uns befinden. Natürlich reden wir nicht von technischen Kabinettstückchen, sondern von Musik, die aus der tiefsten Tiefe der Seele in die tiefste Tiefe der Seele dringt. Sie reisst dich mit in einen Mahlstrom aus Depression, Wut, Verzweiflung und begeistert zugleich durch ihre ungefilterte Emotionalität und ergreifende Einfachheit. So empfinde ich das jedenfalls.

Universe 217 – Ease
Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Wer seine Musik eindeutig schubladisieren muss, ist bei Universe 217 an der falschen Adresse. Eigentlich geht es hier auch gar nicht um Musik, die einem Stil entspricht, sondern um Stimmung, Atmosphäre, ein bestimmtes Gefühl, das über Instrumente und eine grosse Stimme vermittelt wird. Ein Gefühl, das auch im Doom Metal zum Ausdruck kommt, doch dieser Begriff erfasst Universe 217 genauso wenig wie jede andere Genrebezeichnung. Sicher ist eigentlich nur, dass die Griech/innen es verdient hätten, mit ihrer Musik ganz gross rauszukommen.

Horrendous – Ecdysis
Kommen wir zurück auf den deathmetallischen Boden, wenn auch nicht ganz. Denn Horrendous haben ihr Spektrum seit dem genialen Debüt erweitert, und dies in verschiedene Richtungen. Wo damals die klassische Schweden-Death-Schule im Vordergrund stand, sind heute deutliche Carcass-Reminiszenzen erkennbar. Gemeint sind damit die melodischen, traditionelle Heavy Metal-Vibes versprühenden Riffs. Horrendous gehen stellenweise noch weiter und streuen hier und da ein astreines Heavy Rock-Riff, da ein hypermelodisches Solo ein. Zudem öffnet man sich der einen oder anderen psychedelischen Spielerei, so dass Parallelen zu Elite-Bands wie Tribulation oder Morbus Chron offenbar werden. Dabei sorgt allerdings nicht nur die ultrageile Kotzaggrowahnsinnsstimme von Damien Herring dafür, dass wir uns nach wir vor ganz klar im Death Metal befinden.

Martyrdöd – Elddop
Crust ist ja immer dann am Besten, wenn der Metalanteil maximal hochgeschraubt wird, ohne, dass der Punkspirit verloren geht. Und da dies nur wenigen Bands gelingt, sind die wirklich genialen Alben auf diesem Gebiet recht spärlich gesät. Neben den Amis von Tragedy und His Hero is Gone fallen mir da eigentlich nur die Schweden von Wolfbrigade ein – und eben Martyrdöd. Wobei sich letztere auf dem neuesten Album durch eine fast einzigartige Melodieverliebtheit auszeichnen. Dennoch ist genügend Rotz und Power vorhanden für ein Album, das sofort ins Ohr geht, ohne nach kürzester Zeit zu nerven. Ich jedenfalls kann mir das Zeug immer und immer wieder anhören.

Witch Mountain
Zum Schluss von Teil I kommen wir doch noch zu einem reinen Doom-Album, wenn auch nicht zu einem herkömmlichen. Denn Witch Mountain pflegen nach wie vor ihren ganz eigenen, bluesigen, etwas sperrigen, reduzierten Stil, der – ich muss das leider sagen – zu einem ganz gewaltigen Teil von der Wahnsinnsstimme von Uta Plotkin lebt. Und damit komme ich direkt zur traurigen Tatsache, dass Mobile of Angels das letzte Witch Mountain-Album mit der Ausnahmekönnerin am Mikro ist. Dafür werden hier noch einmal alle Register gezogen und Songs aus dem Hut gezaubert, für die mir echt die Worte fehlen. Lasst euch verzaubern!

Teil II folgt in Bälde.

Matte

Für Heavy Metal zuständig … und ist der linke Fuss und die rechte Hand von Trollhauser.

2 Gedanken zu „Heisses Eisen: Top 20 of 14 / Teil I

  • 19. Dezember 2014 um 10:13
    Permalink

    Im zweiten Teil gibt es den einen oder anderen Lichtblick.

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