Lesetipp: Matamba von Kirsten Brox

Nicht umsonst haben seinerzeit Entdecker- und Abenteuergeschichten das Publikum begeistert. Während heute in der realen Welt die weißen Flecken der Landkarten kaum mehr vorhanden sind, gibt es diese Limitierung in der phantastischen Literatur nicht. Hier kommen unter anderem die Möglichkeiten des Steampunk ins Spiel: angesiedelt im viktorianischen Zeitalter und mit einer alternativen technischen Entwicklungsstufe versehen, bietet der Steampunk die Möglichkeit, klassische Abenteuergeschichten wiederzuerzählen. Matamba, der Debütroman der Autorin Kirsten Brox verfolgt genau diesen Ansatz.

Inhalt

London im Jahre 1870: Kriegsveteran Morton Stanley gerät in finanzielle Nöte, nachdem er auf offener Straße angegriffen und seine mechanische Beinprothese irreparabel beschädigt wurde. Da wird ihm eine Möglichkeit für eine Lösung des Problems eröffnet: eine Expedition in das Herz Afrikas, dem sagenumwobenen Land Matamba, in dem sich die Quelle des Nils befinden soll. Vizepremier Sandstone, Veranstalterin der Expedition, schickt jedoch noch einen zweiten Vertreter ins Rennen um die Entdeckung der Quelle des Nils: den schwarzen Universitätsprofessor Jack Lambert. Zwischen den beiden nicht nur äußerlich völlig unterschiedlichen Männern startet ein Wettrennen zur Nilquelle – denn nur der Sieger erhält das üppige Preisgeld.

Rezension

Die Geschichte in Matamba schließt an die erwähnten Entdecker- und Abenteuergeschichten an, verpackt in einem modernen Gewand. Da Steampunk auch eine Form der Alternate History ist, wird in der Geschichte mit bestimmten historischen Details gespielt, um diese alternative denkbare Zeitlinie zu öffnen. Die mechanische Technik hat sich weiter entwickelt, als es tatsächlich der Fall war, und so spielt beispielsweise am Anfang des Romans die Fertigstellung der Tower Bridge eine Rolle, die einige Jahre früher stattfindet, als es tatsächlich der Fall war. Im weiteren Romanverlauf tauchen immer wieder diese weiterführenden technischen Entwicklungen auf, vom Bibliofon (einer Mischung aus Enzyklopädie und Übersetzer) bis zum Teliko (ein mechanisches Fluggerät in Käferform). Aber auch die typischen Flugschiffe, Dampfsegler und Eisenbahnen fehlen nicht.

Kern der Geschichte bleibt aber das Abenteuer, wenn sich die beiden Hauptfiguren, Stanley und Lambert, mit unterschiedlichen Startpunkten zum vermuteten Ziel aufmachen. Die beiden Figuren sind dann auch das starke, hauptsächliche Argument dieses Romans. Stanley, der ein realhistorisches Vorbild besitzt, wirkt anfangs noch recht sympathisch, wie auch sein alter schottischer Kriegsfreund, der mit auf Reisen geht. Ihre wahren Charaktere werden dann aber nach und nach offenbar, wenn sie sich mit der Selbstverständlichkeit einer herrschenden Rasse und Klasse auf dem afrikanischen Kontinent bewegen wollen. Umgekehrt schwindet Lamberts akademische Arroganz mit den Abenteuern, die er zu bestehen hat, und öffnet seinen Geist für weitreichendere Dinge als die britische Aristokratie.

Stilistisch schreibt Brox sehr szenisch. Die Ereignisse werden nacheinander aberzählt, ohne große Sprünge zu machen, was einer Abenteuergeschichte auch angemessen ist. Die Perspektive wechselt zwischen den beiden Hauptprotagonisten nach jeweils wenigen Kapiteln, sodass der Leser beide Abenteuer gut folgen kann. Gelegentlich gibt es perspektivische Einschübe aus der Sicht von Nebenfiguren. Die erfüllen in der Regel aber auch ihren Zweck.

Fazit

Wer sich auf die phantastischen Elemente des Steampunks und dem mystischen Aspekt Afrikas einlässt, der bekommt mit Matamba eine charaktergetriebene, spannende Abenteuergeschichte. Ein gelungener Debütroman von Kirsten Brox, der vielleicht den einen oder anderen Leser dazu verleitet, nach weiteren Steampunk-Abenteuern zu suchen.

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